Archiv für Dezember 2011

Eine Hommage an Esan Ozenki

esancd
Esan Ozenki war das Label der Neunziger, ungemein wichtig für Lucha Amada als auch verantwortlich für Gründungen ähnlicher Recordlabels überall auf der Welt (zB Gridalo Forte Records/Rom, Grita!/USA). Esan Ozenki war ein Gütesiegel. Bei ca 200 Veröffentlichungen war kaum etwas langweiliges dabei, unabhängig vom Stil – und da war wirklich alles dabei, von Cantautores (Liedermachern), Metal, Punk, Crossover, Rap, Ska, Reggae oder der sich auch dank Esan Ozenki entwickelnde Mestizo-Sound. Gründer des Labels waren die Mitglieder der baskischen Kultgruppe Negu Gorriak, die ja selbst auch alle möglichen Musikstile in ihrem Sound verrührten – musikalisch jede Grenze ablehnend. Wichtige Gemeinsamkeit aller Veröffentlichungen war, dass auf baskisch gesungen wurde. Esan Ozenki waren es, die die baskische Musik (und damit auch die baskische Sprache) in weiten Teilen der Welt bekannt machten. Trotz der Betonung der baskischen Sprache und des Bezuges auf die Autonomie des Baskenlandes war Esan Ozenki ein internationalistisches, linkes Label – das 1994 gegründete Sublabel Gora Herriak belegt dies: politische Bands aus aller Welt als auch aus anderen Teilen des spanischen Staates veröffentlichten hier. Esan Ozenki gab es von 1991 bis 2001, danach führten einige die Labelpolitik mit Metak, Kontrakalea, Bide Huts oder auch Talka weiter. Auf Talka, dem Label von Fermin Muguruza (ex Negu Gorriak) erschien nun die posthume Würdigung von Esan Ozenki sowohl in Form einer CD-Compilation, „Esan Ozenki Records 1991-2011″, als auch in Form einer DVD mit Live-Mitschnitten, „Hitz egin“.
„Esan Ozenki Records 1991-2011″ kompiliert einige der besten Acts des Labels: Kortatu, Negu Gorriak, Joxe Ripiau, King Mafrundi, Fermin Muguruza, Kashbad, Kuraia, Sorkun, Anari, Selektah Kolektiboa, EH Sukarra, Delirium Tremens, BAP!, DUT, Africa, Deabruak Teilatuetan oder Ruper Ordorika, insgesamt 24 Tracks.
hitz egin
Die DVD „Hitz egin“, zuvor auch als VHS-Video erhältlich, beinhaltet Live-Mitschnitte des Solidaritätsfestivals für Negu Gorriak aus dem Jahre 1995. Negu Gorriak waren angeklagt wegen ihres Liedes „Ustelkeria“, ein Lied über den spanischen Oberst der Guardia Civil Enrique Rodríguez Galindo, in dem sie ihm den Verkauf von gestohlenen Kokain zur Finanzierung der Todesschwadronen GAL vorwarfen. 1993 wurden sie deswegen von Galindo verklagt und zur Zahlung von 15 Millionen Peseten verurteilt. Dieses Urteil wurde allerdings 2001 wieder aufgehoben und die Band freigesprochen. Neben vielen Esan Ozenki-Bands sehen wir hier auch Bands dessen internationalistischen Sublabels Gora Herriak (Todos Tus Muertos, Banda Bassotti) als auch solidarische Bands wie Siniestro Total, Barricada, Def Con Dos oder Los Enemigos.
Sowohl diese zwei Neuheiten als auch der komplette Esan Ozenki/Gora Herriak-Katalog ist nun via Talka Records erhältlich.

www.esanozenki.com

Hommage an Cherán – Hueso, Héctor Guerra, Lengualerta, Moyenei, Rocco, Rubén Albarrán


Seit April diesen Jahres befindet sich die Kleinstadt Cheran im zentralmexikanischen Bundesstaat Michoacán (Mexico) im Ausnahmezustand. Der Grund: die indigene Bevölkerung protestiert gegen die illegale Abholzung ihrer Wälder. Umweltschützern zufolge wurden in den vergangenen Jahren 20.000 der 28.000 Hektar Wald illegal abgeholzt. Nach Ansicht der Aufständischen sind hierfür die korrupten Behörden sowie die Holzmafia verantwortlich. Einige der Aktivisten, die den Raubbau anprangen, wurden ermordet oder verschwanden spurlos. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International startete inzwischen einen Hilfeaufruf zur Unterstützung der Gemeinde Cheran. Als Mitte April wieder ein paar Laster der Holzmafia ungestraft durchs Dorf fuhren, nachdem sie Bäume in der Nähe einer Quelle abgesägt hatten, ließ eine Gruppe Bauern ihrer Wut freien Lauf: sie organisierten flugs Straßensperren, verbrannten die Laster, nahmen die Fahrer fest, entwaffneten die lokale Polizisten, sperrten sie ein und riefen die Rebellion aus. Erst einige Tage später und nach Einschaltung zahlreicher Vermittler übergaben sie die Festgenommenen den Behörden.

Bei diesem schönen Video in Solidarität zu den Aufständischen in Cheran hören und sehen wir u.a. einige Bekannte wieder…:
Hueso – Mc SHH
Héctor Guerra – Pachamama Crew
Lengualerta
Moyenei – Sonidero Mestizo
Rocco Pachukote – Sonidero Mestizo, Maldita Vecindad
Rubén Albarrán – Café Tacvba

neues Zebda-Album im Januar

Nachdem Zebda ja bereits wieder fleissig live unterwegs sind, folgt nun am 23. Januar 2012 die Veröffentlichung ihres neuen Albums…wir sind gespannt, was die alten Haudegen noch so hinkriegen….mittlerweile gibt es ja fast alle alten Legenden wieder…Tijuana No!, King Chango, Los Fabulosos Cadillacs….

FREEDOM 3 KOLPETAN – neue CD + DVD von Esne Beltza

esnefreedom
Die neue CD von Esne Beltza mit zusätzlicher Live-DVD und dickem Booklet ist da! Als kleiner Vorgeschmack gibt´s hier eine mp3: Esne Beltza – Nahi dut und ein kleiner Trailer:

Lucha Amada – Musica Rebelde CD – mit O Jarbanzo Negro

ojn

O JARBANZO NEGRO war eine internationale (u.a. zwei FrankfurterInnen) Truppe aus Barcelona, deren Musik eine einzigartige Mischung aus Latin-Ska, Polka, Mambo, galizischer Folklore, Rumba, Punk und einigen wohldosierten Breakbeat-Attacken ist. Auch Einflüsse aus dem Balkan, Russland oder Afrika werden verarbeitet (samt Akkordeon, Trompete, Gaita, Saxophon, Schlagzeug, Gitarre, Bass, der singenden Säge und diverser anderer Instrumente). Der sowohl politisch als auch linguistisch programmatische Titel ihrer ersten CD ist „Terra Without Grenzen“ (El Lokal, 2000). Hochgradig explosiv, tanzbar und lebensfroh, läßt uns auch ihre Ende 2002 erschienene, zweite CD „Buscavidas“ (Desobediencia Records) auf ihrer wilden, abenteuerlichen Suche teilhaben. Gast hier ist niemand geringeres als Inigo Muguruza (ex-Kortatu/Negu Gorriak/Delirium Tremens/Joxe Ripiau/Sagarroi), der ja auch bei dem auf der Lucha Amada-Compilation vertretenen Stück mitsingt. „Kaskagorri“ war das letzte Stück von O Jarbanzo Negro vor ihrer Auflösung, bis dato war es unveröffentlicht. Kaskagorri Txozna aus Bilbao fragte sie, ob sie ein Lied zu ihrem 20. Geburtstag schreiben könnten. Der Text kam von einem Bertsolari (traditionelle baskische Freestyle-“Poesie“/-Gesang), den dann Iñigo Muguruza sang.
Bei den Aufnahmen dieses Stückes waren O Jarbanzo Negro:
Vias: Drums, Trikitixa
Uli: Bass
Tanja: Tenor Sax
Xan: Gaita, Alto sax
Nacho: Guitar, Trompet
Gastón: Keyboard, arranges
Amaya Ortega: Pandereta and Irrintzi
Iñigo Muguruza: Voice

Music: O jarbanzo Negro, aufgenommen in den Garate Studios von Kaki Azkarazo
Zu den Jarbanzos gehörten damals auch (Wichtig!): Koko (live sound engenier), Joni and Amparo (Hace Color) Management

Einige kennen vielleicht auch das glorreiche Projekt Tecbilek, das u.a. aus Guts Pie Earshot-Schlagzeuger Jean und O Jarbanzo Negro-Sänger Vias (auch ex- OS DIPLOMATICOS DE MONTEALTO) bestand. So überrascht dann auch nicht die Konstellation bei Track Nr. 18 auf CD 1 der Lucha Amada-Compilation, wo Guts Pie Earshot den Manu Chao-Klassiker „Infinita tristeza“ zusammen mit Vias und seiner singenden Säge covern. Ein brandneues Stück, bis dato auch unveröffentlicht und extra für uns augenommen worden…danke und Handkuss!!!
ojn la vela obrint
…es war 1993, als sich ein Galizier und zwei Freunde aus Extremadura entschieden, mit ihrer Musik die Welt zu bereisen.
Nach zwei Jahren Reisen stiessen zwei FreundInnen aus Frankfurt und einer aus La Coruna dazu, und O JARBANZO NEGRO war geboren.
Das Ziel dieses Projektes war es, Kunst in all seinen unterschiedlichsten Ausprägungen zu promoten, mit einem Schwerpunkt auf kulturellen Austausch.
Schon bald hörte mensch die magische Musik der reisefreudigen Sechs in Parks, auf der Strasse, in der Metro, auf Bauwagenplätzen, in besetzten Häusern, in Bars und Clubs in allen möglichen Teilen Europas.
Am Anfang – mehr eine KünstlerInnengruppe – wechselten sich Jonglieren und Akrobatik mit Live-Musik ab, jedoch erweiterten sie – auch gerade in Wechselwirkung mit ihren Reiseerfahrungen in den verschiedensten Ländern und Regionen – mehr und mehr ihr
musikalisches Repertoir.
1995 bereisten sie Rußland (St.Petersburg, Moskau, Brjansk, Minsk, Saratov), Polen, die Slowakei und die Tschechische Republik.
1996 spielten sie in Deutschland, Holland und in Sarajevo. 1997 tourten sie wieder durch Deutschland und Holland, aber auch durch die Schweiz, England, Schottland, Irland und Kroatien.
1998 erschien auf dem Frankfurter Label „Kultur X“ das kultige Nebenprojekt mit dem Namen „TECBILEK“, welches u.a. aus O Jarbanzo Negro-Sänger Vias und dem GUTS PIE EARSHOT-Schlagzeuger bestand.
1998 war auch ein wichtiges Jahr für O Jarbanzo Negro, da sie hier erstmals mit der Schweizer Theatergruppe Kran fusionierten.
Mit dieser Großgruppe – bestehend aus Clowns, Jongleuren, MusikerInnen und anderen KünstlerInnen – arbeiteten sie fast drei Jahre. Sie spielten auch einige „Konzerte“ in Deutschland, fanden aber auch die Zeit, im Juli Santiago de Compostela zu beehren.
Dies war das erste Mal, daß sie unter dem Namen O Jarbanzo Negro in Spanien auftraten.
Danach spielten sie ihr erstes Album „Terra Without Grenzen“ ein.
Die verschiedensten Konzerte (u.a. mit Manu Chao) und Festivals folgten, bis 2002 die Zeit reif war für ihr zweites Album, welches von Kaki Arkarazo produziert wurde, und bereits erfolgreich in Deutschland im Sommer 2002 auf dem Fusion-Festival vorgestellt wurde.
„Buscavidas“ verdeutlicht ungemein, was O Jarbanzo Negro ist: eine multilinguale, multikulturelle Gruppe, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Publikum zu verzaubern, elektrifizieren und zum Tanzen zu bringen (ab und an tauch(t)en sie auch mal unvermittelt im Publikum auf um dort weiterzuspielen…).
Dazu passend stecken ihre Texte voll Poesie, aber auch politischer Botschaften, in Solidarität zu den Zapatisten oder besetzten Häusern und Zentren.
Gewidmet haben sie ihre zweite CD den MusikerInnen und KünstlerInnen der Straße und der Metro.
ojngroup
Für O Jarbanzo Negro organisierten wir 2004 eine unvergessliche Deutschland-Tour…Danke dafür und für alles…ab und an soll es manchmal – zu ganz besonderen Anlässen – OJN-Konzerte geben…wir halten Augen und Ohren offen, vielleicht dürfen wir nochmals ZeugInnen eines solchen grandiosen Festes werden…