Archiv für Februar 2012

SOLI-KONZERT und FIESTA

yalloh vorne
yalloh hinten

Interview mit Yacine Belahcene Benet

Hier ein kleines Interview, das wir mit Yacine Belahcene Benet per Mail führten. Yacine, wohnhaft in Barcelona, ist eine schillerne Persönlichkeit. Seine erste Band Cheb Balowski veröffentlichte drei wundervolle Platten und kam ziemlich weit rum in der Welt (Marokko, Algerien, Finnland, Belgien, Deutschland, Holland, Jordanien…), ihre unglaublich energiegeladenen Konzerte waren sowohl für Ohren, Augen als auch die (Tanz-) Beine eine Erfahrung der besonderen Art. Yacine fegte teilweise wie unter Strom stehend über die Bühnen, und wurde so – und auch wegen seiner sympathischen Ansagen – zu einer Art Publikumsliebling. Trotz seines Erfolges ist Yacine sich immer treu geblieben, sich als politisch denkenden Menschen als auch als musikalischer Pionier und Grenzgänger. Bedingt durch seine Herkunft – er wurde in Italien als Sohn einer Algerierin und eines Katalanen geboren und wuchs in Algerien auf – hat seine Musik immer nordafrikanische Einflüsse verarbeitet, jedoch bleibt sie nie dort stehen, sie fusioniert immer wieder mit anderen Stilen, sei es mit Ska, Raggamuffin, Rumba Catalan und Patchanka (wie bei Cheb Balowski), Rock und elektronischen Sounds (Nour, Yacine & The Oriental Groove) oder nun bei Transadélica mit kubanischer Musik. Transadélica ist sein neuestes Projekt, wo er sich den Gesang mit Amparo Sanchez teilt.
yacine
(Yacine & The Oriental Groove; Yacine in der Mitte)

1. Yacine, du hast viel gemacht seit dem Ende von Cheb Balowski. Deine erste Gruppe danach war Nour, wie war die Erfahrung mit Nour?
Wie überall im Leben muss man durch viele Phasen, um zu verstehen und zu lernen aus dem, was man macht Ich in diesem Fall mache Musik, und meine Art zu lernen war, etwas durchführen und zu üben, so wurde Nour ein weiteres Projekt in meiner persönlichen Karriere. Es ist klar, dass Cheb Balowski die Schule in jeder Hinsicht war, auf der menschlichen Ebene und in professioneller Hinsicht. Mit grösstem Respekt zu den anderen Mitgliedern von Cheb Balowski, aber Nour war professioneller und persönlicher, in Bezug darauf dass ich etwas machen wollte, was konkret mehr in die Richtung geht, mit der wir mit Cheb Balowski nicht experimentiert haben, ich jedoch Lust drauf hatte. Und die Wahrheit, ich bin zufrieden mit dem Ergebnis, nur, dass ich mir gewünscht hätte, es noch mehr zeigen zu können…

2. Yacine & The Oriental Groove – deine Gruppe nach Nour – ist mehr deine Gruppe mit anderen Musikern zusammen, oder? Was bedeutet der Name?
Yacine & The Oriental Groove ist ein neues Projekt von mir. Es wurde mit der Absicht geboren, Songs, die Teil meiner Karriere sind und klassiche maghrebinische und orientalische Stücke zu interpretieren und zu reinterpretieren. Mit dem Einfluss der arabischen (elektrischen) Laute (im 13. Jahrhundert in Spanien durch Araber eingeführtes Zupfinstrument) von Yannis Papaioannou (08001, Asíkides) haben wir unseren eigenen Sound entwickelt, der die traditionellen Lieder in ihrem eigenen Bereich abholt, und erstellen eigene Songs mit einem Sound, der den gesamten Mittelmeerraum kreuzt. Und zwar mediterrane elektrische und elektronische Klänge, die ein neues Energie- und Innovationsfenster öffnen, mit bemerkenswerten Ergebnissen.


3. Mit welchen Musikern hast du in deinen Projekten zusammengearbeitet, waren es teilweise die selben?

Zuletzt bei Yacine & The Oriental Groove hat Jordi Herreros mitgemacht, er war Schlagzeuger bei Cheb Balowski, aber der andere Teil der Musiker sind neue Leute, die ich erst seit diesem Projekt kenne, wie zum Beispiel Aniol, ein sehr guter Percussionist, der die Darbuka (eine einfellige Bechertrommel) und alles an orientalischer Percussion spielt, und dann ist da Bernat Guard, Bassist, der mit vielen Gruppen aus Barcelona, Gertrudis, Zulu 9.30 etc. gearbeitet hat… Auf einigen Konzerten kooperiere ich auch zusammen mit einem Pianisten, der gewöhnlich mit Amparo Sanchez spielt, namens Oscar Ferrer.

4. Was ist dein neues Projekt TRANSADÉLICA genau? Was für Musik macht ihr und welche Pläne habt ihr?
TRANSADÉLICA ist live pure Energie, mit Darbukas vereint mit Congas, kubanischer Son und Bolero reichen sich die Hand mit algerischem Chaabi, Raï, Rock und Rumba dazu gemischt und kräftig geschüttelt… TRANSADÉLICA ist eine wahre Gemeinschaft der traditionellen von den karibischen Inseln kommenden Musik mit den populäreren Rhythmen, die dem algerischen Herz entspringen. Eine Überfahrt auf halbem Weg zwischen Kuba und Algerien, deren Resultat nichts und niemandem gleicht, einzigartig, beeindruckend, eindrucksvoll und vibrierend ist.. Die Pläne dieses Jahr sind, das Projekt nach Möglichkeit überall bekannt zu machen. Wir haben einige bestätigte Konzerte und wir hoffen, das Projekt in Deutschland vorzustellen und die Wahrheit ist, es lohnt sich, die Live-Show ist sehr mächtig, und die Leute hören nicht auf zu tanzen!

5. Wie genau kam es zu TRANSADÉLICA?
Wie in den 1950er Jahren in den kosmopolitischen und gemischten Cafés von Oran Maghrebiner und pied noirs (Algerienfranzosen, weiße europäische Siedler in Algerien) und Leute, die von der anderen Seite des Atlantiks kamen, die Natürlichkeit des Boogie-Woogie mit Rumba, französischem Chanson und andalusischer Luft mit beduinischer mischten, erwuchs im Frühjahr 2011 während einer „Nochecita del Medio“ in der magischen Ecke der Küstenregion von Sitges (Barcelona) die Komplizenschaft zwischen Amparo Sanchez (mythisch: ex-Amparanoia) und mir; zusammen mit dem griechischem Laute-Spieler Yannis Papaioannou (Oriental Groove), dem Kontrabass von Jordi Mestres, dem Klavier von Oscar Ferret und Allan Pérez (Ocantomi-Cuba), erschufen wir TRANSADÉLICA, ein musikalisches Projekt, das wieder zur Stärkung der Beziehungen zwischen den beiden großen Kulturen, die so weit entfernt und gleichzeitig so nah sind, beitragen soll.

6. Was sind deine musikalischen Einflüsse?
Es ist sehr schwierig, diese Frage zu beantworten weil ich im allgemeinen jegiche Musik mag, in zunehmendem Maße, egal welcher Art. Meine Musik ist die Musik ohne Grenzen, ich glaube, was meinen Musikgeschmack angeht, kann ich sagen, da gibt es keine Grenzen.
Ich mag viele Sachen, natürlich viele aktuelle Gruppen, die von hier kommen, aus Katalonien, Malakaton, Sufing Sirles, Le Petit Ramon oder la Bundu Band bis zu algerischen Gruppen wie Demokhratia, (eine sehr gute Punkband), Essi Moh, Djazia Sator oder Djmawi Africa.

7. Gibt es etwas, das du mit deiner Musik aussagen willst, textlich oder musikalisch gesehen?
In den Texten spreche ich von allem und nichts, aber wovon ich am meisten spreche, ist von den Ängsten, vor dem was anders, was neu ist, nun mit der Krise in Katalonien scheint es, dass wir uns mit der Frage der Zuwanderung 50 Jahre zurück bewegen, der Hass auf die Menschen, die kommen, um nach einem besseren Leben zu suchen, ist wieder gewachsen. Einige Politiker, vor allem der Rechten und einige pseudo Sozialisten beschuldigen die gegenwärtige Einwanderung an der Wirtschaftskrise von Katalonien, so dass der Diskurs in letzter Zeit ein sehr rassistischer ist, und das gruselt mir, denn wie wir alle wissen wie das alles endet, man braucht nicht weit zurück zu gehen in der Geschichte, um zu wissen, dass man die Gleichheit der (Menschen)rechte für alle in Europa nicht infrage stellen darf. Die Menschen vergessen Geschichte sehr schnell, denn in den 1930er Jahren gingen viele Katalanen, Valencianer und Spanier nach Nordafrika, um dort nach einem besseren Leben zu suchen, weil sie nichts zu essen hatten.

8. Wie denkst du über den „Arabischen Frühling“ – die Revolutionen in Tunesien, Ägypten etc? Und über die Proteste in Spanien, das Movimiento 15-M (‚Bewegung 15. Mai‘) oder Indignados („Empörte“)? Sind dies ähnliche Protesterscheinungen? Gibt es vielleicht sogar schon bald ein Ende des Kapitalismus?
Ich glaube, dass das, was in den Arabischen Ländern geschieht, sehr schwierig generell zu analysieren ist, weil jedes Land ein einzelner Fall ist, man kann das was in Ägypten passiert nicht mit Libyen oder Tunesien vermischen. Wenn es eine Gemeinsamkeit gibt, dann dass in diesen drei Fällen ihre Regierungen totalitäre waren. Nun, dass die Leute auf die Strasse gingen, um diese von ihren Stühlen zu bugsieren ist das Beste, was ihnen passieren konnte. Was danach kommt ist für mich bereits fraglich, einiges hat mich einfach nicht überzeugt, wie die militärische Intervention der NATO in Libyen. Aber all bedeutet glaube ich nicht, dass der Kapitalismus dem Ende entgegengeht. Ich glaube, die eine Sache hat nichts mit der anderen zu tun.

9. Du hast Familie in Algerien, oder? Wie ist die Situation zur Zeit in Algerien?
Gut, ich habe zwar einen Teil meiner Familie dort, ja, aber der Fall Algerien ist anders, da Algerien schon im Jahre 1988 auf die Straße gegangen ist und einen Präsidenten vom Stuhl gestürzt hat. In den 1990er Jahren war die Bevölkerung in Algerien sehr darauf bedacht, dass sie nicht wieder in diese in jeglicher Hinsicht mit Blut befleckte Dekade zurückkehren.

10. Welche weiteren Pläne hast du zur Zeit?
Naja, ich bin derzeit in der Vorbereitung der zweiten CD von Yacine & The Oriental Groove, die im Herbst 2012 erscheinen wird inchalah!

11. Du bist der meist eingeladenste Gastsänger, glaub ich. In welchen Platten hast du in den letzten Jahren als Gastsänger mitgesungen?
Hahahahaha, ja das ist wahr, in allen habe ich ein bisschen über mich gelernt, oder über die Art des Gesangs, in Wirklichkeit habe ich was die Technik angeht, in einigen Projekten Dinge gemacht, die neu für mich waren, wie zum Beispiel das was ich mit Amparo Sanchez, der kubanischen Musik, mache, das ist für mich das erste mal, dass ich mich in dieser Musik vertiefe.

12. Was machen eigentlich deine alten BandkollegInnen von Cheb Balowski?

Ich werd dir eine Überraschung verraten, wir arbeiten daran, eine neue CD zu machen …. ich weiss nicht, wann sie erscheinen wird, aber ich halte dich auf dem laufenden.
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Von Cheb Balowski als auch von Yacine & The Oriental Groove findet sich auch jeweils ein Stück auf unserem Lucha Amada-Sampler „Lucha Amada – Musica Rebelde“ (Jump Up Records). Die Touren von Cheb Balowski wurden hier in Deutschland immer von Lucha Amada organisiert – seitdem verbindet uns eine tiefe Freundschaft. Moltes gràcies, Yacine!

www.yacineorientalgroove.com

Obrint Pas

Hier ein paar Fotos vom Obrint Pas-Konzert im Festsaal Kreuzberg. Die Fotos sind von montecruz foto (Muchas gracias, compa!).
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»The Invisibles« (»Die Unsichtbaren«)

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Die vierteilige Kurzfilmreihe »The Invisibles« (»Die Unsichtbaren«) zeigt die harte Realität einer der gefährlichsten Reisen der Welt. Sie erzählt die Geschichten der Menschen, die sich in der Hoffnung auf ein besseres Leben in den USA auf den Weg durch Mexiko machen.

Jährlich springen Tausende Frauen, Männer und Kinder in Mexiko auf rollende Güterzüge auf. Oft wird der Traum zum Albtraum. Viele erreichen niemals ihr Ziel: Sie werden vom Zug überrollt oder unterwegs von kriminellen Banden überfallen, vergewaltigt und sogar ermordet.

Im Jahr 2009 wurden fast 10.000 MigrantInnen innerhalb von nur sechs Monaten entführt. Fast die Hälfte der Opfer behaupten, dass Beamte des Staates an ihrer Entführung beteiligt waren. Im August dieses Jahres wurden in Tamaulipas mehr als 70 illegale MigrantInnen getötet.

Der mexikanische Schauspieler und Regisseur Gael García Bernal und der britische Regisseur Marc Silver haben sich gemeinsam mit Amnesty International auf den Weg gemacht. Sie sprachen mit MigrantInnen, MitarbeiterInnen von Hilfsorganisationen und Ärzten über ihre Erlebnisse. In bewegenden Bildern hielten sie fest, was normalerweise vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen bleibt: Die Geschichten der »Unsichtbaren«.
(Untertitel von Amnesty International, CASA-Gruppe, Hamburg)

Neue CD von Canteca de Macao

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„Nunca es tarde“, die vierte CD von Canteca de Macao ist dank crowdfunding (Fans zahlen quasi im vorraus für die Produktion und werden mit kleinen Extras belohnt) nun erschienen. Der Rest der Welt kann sich das neue Werk der neun Madrilenen (wie übrigens auch alle alten CDs) umsonst von ihrer Seite runterladen – insofern sie im Gegenzug das Erscheinen von „Nunca es tarde“ in den sozialen Netzwerken promoten oder sich auf cantecademacao.net registrieren lassen.
„Nunca es tarde“, 10 Songs plus Intro, überrascht gleich zu Anfang: Canteca de Macao haben den Cumbia für sich entdeckt, der Titelsong „Nunca es tarde“ ist gleich der Hit der Platte. Der Rest ist gewohnt professioneller Flamenco meets Reggae, Rumba, Rock, gewürzt mit Salsa („Perdio“) und klasse zweistimmigem Gesang (w/m).