Archiv für Dezember 2013

Toda Música es Política- Musik und Zapatismus

zapatista

Am 1. Januar 2014 ist es genau 20 Jahre her, dass sich im Südosten Mexikos die zapatistische Befreiungsarmee EZLN erhob. Zeitgleich mit Inkrafttreten des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA erinnerte die EZLN die Menschen in Chiapas, Mexiko und auf der ganzen Welt daran, dass für die indigene Bevölkerung Mexikos selbst die grundlegendsten Rechte noch immer nicht erfüllt sind: Arbeit, Land, Nahrung, Gesundheit, Bildung, Unabhängigkeit, Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit und Frieden, so ihre Forderungen, die so einfach wirken und doch so schwer umzusetzen sind.

Unerhört – eine Guerilla, die dem 20. Jahrhundert am Schluss noch ihren Stempel aufdrückt und dazu aus einem Winkel der Erde kommt, wo die Zeit still zu stehen scheint. Aber so geschah es. Und in der Folge mischten die Zapatisten mit ihrer innovativen Medienpolitik und popkulturellen Ideen linke und Kulturszene gleichermaßen auf, und zwar weltweit.

In den Vortrag untersucht die Medienwissenschaftlerin und Linguistin Gabriela Gorjon aus Guadalajara (Mexiko), wie der Zapatismus in den letzten 20 Jahren die Texte von Musikschaffenden unterschiedlichster Länder beeinflusst hat und welche Auswirkungen er auf Lebens- und Arbeitsformen von (Musik-)Kollektiven weltweit hatte.

Sie wird auch darauf eingehen, welche Rückwirkungen die von den ZapatistInnen beeinflusste Musik wiederum auf die indigenen Aufständischen in Chiapas hat.
Termine:

3.01.
Hamburg
Hafenklang
19:00 Uhr

4.01.
Berlin
Clash
20:00 Uhr

7.01.
Bremen
Infoladen
19:00 Uhr

8.01.
Münster
Don Quijote
20:00 Uhr

9.01.
Köln
King Georg
21:00 Uhr

10.01.
Bonn
La Victoria
20:00 Uhr

11.01.
Wuppertal
Multi Kulti
21:00 Uhr

13.01.
Bochum
Bahnhof Langendreer
20:00 Uhr

15.01.
Altötting
T.B.C.

16.01.
München
Stattpark Olga

Veranstaltungsreihe in Berlin: „20 Jahre Aufstand der Zapatistas in Mexiko“

20 Jahre Aufstand – Solidarität mit den Zapatistas – Für revolutionäre Aufstände überall
zapatista reihe

Die Veranstaltungen im einzelnen:
Mittwoch, 18.12. 20h, New Yorck im Bethanien, Mariannenplatz 2a: Zapatistische Autonomie: Alternativen weg von der parlamentarischen Demokratie hin zu einer direkt-demokratischen Gesellschaft. Mit kleiner Einführung in den Aufstand & einem Bericht von Teilnehmer_innen über die Escuelita (kleinen zapatistischen Schule) sowie Berichte von Kooperativen als Beispiel internationalistischer Solidarität.
Von Gruppe B.A.S.T.A. und Kaffeekollektiv Aroma Zapatista

Donnerstag, 19.12., 20h, New Yorck im Bethanien:
Diskussionsveranstaltung ohne Podium: Offener (selbstkritischer) Blick auf die Solidaritätsbewegung zum Kampf der Zapatistas. Wie sah sie aus, wie könnte sie aussehen?

Freitag, 20.12. 20h, New Yorck im Bethanien: !resistencia! Südmexico: Umweltzerstörung, Marginalisierung und indigener Widerstand. Veranstaltung mit dem Autor Luz Kerkeling.
Über das gleichnamige Buch, erschienen im Unrast Verlag:
Luz Kerkeling beschreibt und analysiert in ¡RESISTENCIA! die sozialen Konsequenzen, die die herrschende Politik in Mexiko für die indigenen Widerstandsbewegungen in Chiapas, Oaxaca und Guerrero hat. In einer detaillierten und aktuellen Untersuchung werden die Interessen der jeweiligen Akteur_innen dargestellt; darunter unterschiedliche Regierungsebenen, lokale Machthaber_innen, Militärs, paramilitärische Verbände, mexikanische und transnationale Unternehmen, internationale Finanzorganisationen sowie regierungskritische Gruppierungen, indigene Zusammenschlüsse und Guerillaorganisationen.
Im Zentrum der Studie, die auf über 110 Interviews basiert, stehen die Kritik an den Projekten von Wirtschaft und Regierung, die alternativen Vorschläge sowie die darüber hinausgehenden Zielvorstellungen der indigenen Organisationen, die sich im Widerstand gegen die mexikanischen Eliten und das globale kapitalistische System befinden. Die von den indigenen Bewegungen praktizierten Autonomieprozesse bieten inspirierende Ansatzpunkte für eine radikaldemokratische und solidarische Neuorganisation der gesellschaftlichen Verhältnisse, die weit über die Situation in Mexiko hinausgehen und somit von globaler Relevanz sind.
Mit finanzieller Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Stiftung

Samstag, 21.12., 22h, New Yorck im Bethanien: Soli-Konzert & Party für zapatistische Autonomieprojekte (Eintritt 3-5€ Spende) mit Daddy Longleg (Punk/Münster) & Paul Geigerzähler & Mandoline Reloaded. Anschl. DJ Herr Mine! (80er,rmx,electro) & DJane la vaca loca. Alles rauchfrei.

Montag, 23.12., 20h, New Yorck im Bethanien/A-Cafe: Vokü, anschl. Dokumentarfilm „Wenn das Land zur Ware wird“ – Die Zerstörung der Lebensgrundlagen der indigenen Bevölkerung in Südmexiko (BRD/MEX 2013, 71 Minuten).
Der Dokumentarfilm von Zwischenzeit e.V. aus Münster thematisiert diesen Konflikt anhand des südmexikanischen Bundesstaates Chiapas. Er lässt betroffene Personen, widerständige Organisationen und auch Vertreter_innen aus Politik und Wirtschaft zu Wort kommen.
Anhand von Ölpalmenplantagen, Autobahnen, Tourismusprojekten und der erzwungenen Umsiedlung kleiner Dörfer in neu gebaute Kleinstädte zeigt er, wie im Namen sogenannter „Entwicklungsprojekte“, die Lebensgrundlage und die Umwelt vieler Menschen geraubt, ausgebeutet und zerstört werden. Neben dem Widerstand der Bevölkerung zeigt der Film auch die Zusammenhänge in den Globalen Norden auf, denn die Nachfrage nach Palmfett, Biosprit und exotischem Tourismus wächst weiter.

Freitag, 27.12. 20h La Casa, Wurzener Str. 6, Hellersdorf: „20 Jahre Aufstand der Würde“, einführende Veranstaltung zur zapatistischen Bewegung in Chiapas mit dem Film „Der Aufstand der Würde“ und aktuellen Infos.
Am 1. Januar 1994 erhoben sich im südmexikanischen Bundesstaat Chiapas Tausende Indigene unter der Losung „Ya Basta!“ (Es reicht!) und kämpften zwei Wochen lang bewaffnet gegen die Regierung. Seitdem setzen sie sich mit friedlichen Mitteln gegen Ausbeutung, Rassismus, Unterdrückung der Frauen und Naturzerstörung ein und bauen eigene Strukturen auf. Die einstündige Dokumentation „Der Aufstand der Würde“ von Zwischenzeit e.V. bietet eine Einführung in das Thema sowie anschauliche Einblicke in selbstverwaltete Strukturen, das Politikverständnis der Zapatistas und die internationale Bedeutung der Bewegung. Zu Wort kommen vor allem Frauen und Männer von der Basis der zapatistischen Bewegung. Zwei Leute vom Ya-Basta-Netz und von CAREA e.V. stehen im Anschluss für Fragen und aktuelle Informationen zur Verfügung.

Freitag, 03.01., 20h, TheaterSpielRaum im Bethanien/Südflügel, Mariannenplatz 2b : Lesung mit Verpflegung(in dt. und span. Sprache): El Mundo es de nadie y por eso es de todos. „Geschichten vom Alten Antonio“ aufgeschrieben von Subcomandante Marcos.
„Der Alte Antonio kaut auf seiner Pfeife. Er kaut die Worte, gibt ihnen Form und Sinn.
Der Alte Antonio beginnt zu sprechen. Der Regen hält inne, um zu lauschen, und das Wasser und die Dunkelheit legen eine Atempause ein.“
zapaflyaclash
Samstag, 04.01., 22h, Clash, Gneisenaustr. 2a: Fiesta Zapatista. Verspätete Feier zum 20. Jahrestags des Beginn des Aufstandes. Live: Daisy Chain (Arma Di Scelta) & Miss Zebra (Παράνοια) rap militante internationale, Irie Révoltés Sound System, Paco Mendoza (Sound Set) & Lucha Amada djs (musika rebelde, radical mestizo, latin-ska, punky reggae, cumbiamuffin sounds) & special guests! Mit Tombola…
davor, ab 20h: „Toda Musica es politica“ – Musik und Zapatismus, Vortrag und Diskussion mit Gabriela Gorjon
Am 1. Januar 2014 ist es genau 20 Jahre her, dass sich im Südosten Mexikos die zapatistische Befreiungsarmee EZLN erhob. Zeitgleich mit Inkrafttreten des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA erinnerte die EZLN die Menschen in Chiapas, Mexiko und auf der ganzen Welt daran, dass für die indigene Bevölkerung Mexikos selbst die grundlegendsten Rechte noch immer nicht erfüllt sind: Arbeit, Land, Nahrung, Gesundheit, Bildung, Unabhängigkeit, Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit und Frieden, so ihre Forderungen, die so einfach wirken und doch so schwer umzusetzen sind.
Unerhört – eine Guerilla, die dem 20. Jahrhundert am Schluss noch ihren Stempel aufdrückt und dazu aus einem Winkel der Erde kommt, wo die Zeit still zu stehen scheint. Aber so geschah es. Und in der Folge mischten die Zapatisten mit ihrer innovativen Medienpolitik und popkulturellen Ideen linke und Kulturszene gleichermaßen auf, und zwar weltweit.
In der Lesung untersucht die Medienwissenschaftlerin und Linguistin Gabriela Gorjon aus Guadalajara (Mexiko), wie der Zapatismus in den letzten 20 Jahren die Texte von Musikschaffenden unterschiedlichster Länder beeinflusst hat und welche Auswirkungen er auf Lebens- und Arbeitsformen von (Musik-)Kollektiven weltweit hatte.
Sie wird auch darauf eingehen, welche Rückwirkungen die von den ZapatistInnen beeinflusste Musik wiederum auf die indigenen Aufständischen in Chiapas hat.

Veranstaltungen mit Büchertisch und Kaffee-Verkauf von Aroma Zapatista und anschließender Bar mit musika rebelde.

veranstaltet von: Ya Basta Berlin, Lucha Amada, CAREA e.V., Öku-Büro München
www.carea-menschenrechte.de http://luchaamada.blogsport.de/ http://www.ya-basta-netz.de.vu/
www.oeku-buero.de

¡Viva la Autonomía!
„Land und Freiheit!“ – 20 Jahre emanzipatorische Politik von links unten

Nachdem sie mit Demonstrationen, Petitionen und dem Aufbau von sozialen Organisationen jahrzehntelang vergeblich auf ihre miserable Situation als indigene Bevölkerung aufmerksam gemacht hatten, begannen die Zapatistas am 1. Januar 1994 im südmexikanischen Bundesstaat Chiapas ihre Rebellion unter der Parole „Ya Basta!“ (dt. „Es reicht!“). Zwölf Tage kämpften sie bewaffnet für „Land und Freiheit“ und gegen den korrupten mexikanischen Staat, der für sie nur Missachtung, Hunger, Unterdrückung und Tod zu bieten hatte. Sie besetzten zahlreiche Ländereien der mächtigen Großgrundbesitzer und verteilten den Boden an Tausende Familien.

Der Aufstand der zapatistischen Befreiungsarmee (span.: Ejército Zapatista de Liberación Nacional) EZLN richtet(e) sich gegen Ausbeutung, Rassismus, patriarchale Unterdrückung und Naturzerstörung. Seit dem 12. Januar 1994 schweigen die Waffen der EZLN. Der zivile Kampf der Zapatistas für Emanzipation, Demokratie, Freiheit, Gerechtigkeit und Würde geht jedoch bis heute weiter.

Im Zuge des Aufstands organisierten sich die Frauen, die sich seitdem für eine Verbesserung ihrer Situation engagieren. Die Zapatistas und die gesamte indigene Bewegung fordern die Anerkennung indigener Rechte und einen Autonomiestatus innerhalb Mexikos für ihre Gebiete. Darüber hinaus fordern die Zapatistas, die sich als konsequent basisorientierte Bewegung verstehen, eine radikale Demokratisierung der gesamten Gesellschaft und eine Abkehr von der neoliberalen Wirtschaftspolitik.
In ihren Gemeinden arbeiten die Aktivist*innen trotz permanenter Repression durch die mexikanische Bundesarmee und rechtsgerichtete Paramilitärs unter großen Mühen am Aufbau eigener Strukturen in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Verwaltung, Rechtsprechung, Produktion, ökologische Landwirtschaft und Kommunikationsmedien (z.B. freie Radios).
Regierung und EZLN hatten 1996 die Abkommen von San Andrés über indigene Selbstverwaltung unterzeichnet, doch keine Regierung setzte die Verträge bis heute um, so dass die Zapatistas nun ohne ‚Erlaubnis‘ Fakten schaffen. Sie halten so im Gegensatz zur Regierung die Abkommen ein, die auch über internationale Rückendeckung durch die ILO-Konvention 169 zu indigenen Rechten verfügen, die Mexiko unterzeichnet hat. Die Zapatistas haben dabei beachtliche Erfolge erreicht: Die Alphabetisierung und die Bildungssituation haben sich deutlich verbessert, die Mütter- und Kindersterblichkeit hat signifikant abgenommen, die Gesundheitsversorgung und die Ernährungslage haben sich zum Positiven verändert und die pazifistischen Konzepte zur Lösung von Konflikten durch die Justizgremien der EZLN haben viel zur Befriedung des Bundesstaates beigetragen.
Ein wichtiges Charakteristikum der zapatistischen Bewegung ist, dass jeglichen Amtsträger*innen die Stimmen der Bevölkerung stets nur geliehen sind, dies bedeutet, dass sie sofort abgesetzt werden können, wenn sie ihre Aufgaben nicht zur Zufriedenheit der Basis erledigen. Dieses Prinzip nennen die Zapatistas „gehorchendes Befehlen“ (span.: mandar obedeciendo).

„Alles für Alle!“ – Eine andere Welt ist möglich!

Die Zapatistas nehmen keinerlei Regierungsunterstützung an, um so ihre soziale Bewegung vor Korruption und autoritärer Kontrolle zu schützen. Ihre Rebellion wird vor allem über nicht entlohnte Kollektivarbeit durch Hunderttausende Aktivist*innen getragen. Darüber hinaus unterstützen solidarische Gruppen aus dem In- und Ausland die Rebell*innen vor allem in den Bereichen Gesundheit, im alternativen Kaffee-Handel und durch Menschenrechtsarbeit vor Ort.

(…) Bis heute reagieren die Regierung und die lokalen Machthaber mit Desinformation, Repression und Gewalt auf die Forderungen und Fortschritte der zapatistischen Bewegung.
Die EZLN sieht ihren Aufstand in einem weltweiten Kontext und rief bereits 1996 zur Bildung einer „Internationalen der Hoffnung“ auf, um gemeinsam und gleichberechtigt mit anderen Bewegungen weltweit gegen die negativen Auswirkungen der kapitalistischen Globalisierung und für eine solidarische Gesellschaft und den Erhalt der Natur zu kämpfen. Ihr „YA BASTA!“ („Es reicht!“) gibt seit 1994 vielen Menschen auf der ganzen Welt Kraft und Hoffnung und beweist, dass emanzipatorischer Widerstand möglich ist.

Dorit Siemers und Luz Kerkeling

Tipp: Zompa Family

zompafam
Zompa Family ist ein vielversprechendes 8köpfiges Bandkollektiv aus Perpignan, das dieses Jahr nach bisher 2 EPs ihr erstes, selbsbetiteltes Album in Eigenproduktion rausgebracht hat. Das Album mit 12 Songs plus einem zusätzlichen Hidden Remix macht einfach nur Spass: es ist so abwechslungsreich wie zu besten Mano Negra-Zeiten, Ska wechselt sich mit Reggae und Rumba ab, Ragga mit Punk und Drum´n´Bass, ebenso der Gesang von Andrea und Axelle, mal auf neopolitanisch (Sänger Andrea kommt aus Neapel), mal auf französisch und dann wieder spanisch oder auch mal auf englisch oder katalan. Zompa Family können zwischendurch auch mal mit ruhigen typischen italienischen Reggae („Ti libererai“) aufwarten, aber nur, um im nächsten Moment wieder loszurocken und zu toasten. Zompa Family stehen mit ihren Texten ganz in der Tradition solidarischer Mestizo-Bands, Themen wie Rassismus, Ausbeutung und Widerstand dagegen werden aber wesentlich deutlicher angepackt als bei den meisten Bands dieser Richtung. Klasse Texte und ein schönes Artwork runden das Album ab, so dass wir nur hoffen können, dass mehr Leute die Zompa Family entdecken. Checkt sie aus, hier kommt etwas Grosses…

Bei Soundcloud könnt ihr ein paar Songs runterladen…

www.zompafamily.com
zompa group

21.12.2013 Bundesweite Demonstration

Auftakt: 14 Uhr Rote Flora Hamburg

Rote Flora verteidigen – Esso-Häuser durchsetzen!
Gegen rassistische Zustände – Bleiberecht für alle!

2112demo
Mit einer bundesweiten und internationalen Demonstration am 21. Dezember in Hamburg wollen wir deutlich machen, dass mit massivem Widerstand zu rechnen ist, sollte versucht werden, die Rote Flora zu räumen. Inhaltliche Schwerpunkte sind die aktuellen Kämpfe um den Erhalt der Esso-Häuser, das Bleiberecht der Flüchtlinge und die radikale Kritik an Repression und Gefahrengebieten.

Im Oktober diesen Jahres hat die seit 24 Jahren besetzte Rote Flora eine Kampagne zu ihrer Verteidigung ausgerufen. Der formale Privateigentümer Kretschmer und Investor Gert Baer wollen den besetzten Status des ehemals städtischen Gebäudes beenden und eine Klage gegen den aktuellen Bebauungsplan einreichen. Sie haben angekündigt, aus der Flora ein sechsstöckiges Gebäude mit Konzerthalle für 2500 Besucher_innen, integriertem Stadtteilzentrum, Verkaufsflächen und Büroräumen nebst Kita und dreistöckiger Tiefgarage zu errichten. Zur Umsetzung wird die Gründung einer Aktiengesellschaft mit internationalen Investoren angestrebt.

Unverträglich bleiben!

Baer und Kretschmer kritisieren öffentlich, dass die Hamburger Hafenstraße in den Achtziger Jahren nicht geräumt wurde und erklären die Rote Flora zu einem gegenteiligen politischen Modellfall. Ihr Ziel ist laut Pressemitteilung, die Besetzer_innenszene zu demoralisieren und neuen Hausbesetzungen durch die Zerschlagung der Flora in Zukunft keine Perspektive mehr zu bieten. Ihr Angriff richtet sich ideologisch nicht nur gegen die Rote Flora als einzelnes lokales Projekt, sondern sie verstehen ihr Engagement als politisches Statement gegen Hausbesetzungen insgesamt. Die mehreren hundert Nutzer_innen des Hauses bezeichnet Baer inzwischen als »kriminelle und terroristische Vereinigung«.

Aufgrund der konkreten Bedrohung wurde im Rahmen einer Vollversammlung bundesweit und international zu Solidaritätsaktionen aufgerufen. Schon bevor bei irgendwelchen neuen Geldgeber_innen Hoffnung auf Gewinnmaximierung entsteht, soll durch überregionale Schlagzeilen und Abschreckung ein negatives Image des Investorenprojektes entstehen und deutlich werden, dass ein solcher Plan mehr Schaden anrichtet als Gewinne bringt.

Auf Beschwichtigungen der Politik wird sich die Rote Flora nicht verlassen. Sanierungs- und Bebauungspläne können sich ebenso ändern wie die Haltungen von Politiker_innen und Medien. Die Linie des regierenden Senates scheint darüber hinaus vor allem darin zu bestehen, sich selbst aus der politischen Schusslinie zu bringen. Durch Privatisierungen werden unbequeme Entscheidungen über die Privatwirtschaft geregelt, während die Politik ihre Hände in Unschuld wäscht. Dies erinnert nicht nur an die Abriss bedrohten Esso-Häuser an der Reeperbahn, sondern auch an die Auseinandersetzungen um das Ungdomshuset in Kopenhagen.

Von der Roten Flora wurde immer klargestellt, dass der aktuelle Konflikt in erster Linie einer um Stadt und Gesellschaft selbst ist. Die Auseinandersetzung geht nicht nur um das Gemäuer am Schulterblatt, sondern ist Teil von und bezieht sich auf die Verhältnisse, die es umgeben. Es geht uns im Kampf um die Flora nicht nur um den Erhalt des Hauses, sondern um die Flora als politisches Projekt und politische Idee. Wir sind uns bewusst, dass wir eine mögliche Räumung vermutlich nur im Vorfeld politisch verhindern können. Durch breite Solidarität und starke Bewegungen, die sich nicht nur in Verteidigungshaltung begeben, sondern die Veränderung der Verhältnisse zum Ausgangspunkt machen.

Shut Down Fortress Europe!

Die letzten Monate und Wochen waren bundesweit geprägt vom Kampf der Refugees um Bleiberecht. In Hamburg wurde wochenlang im Rahmen spontaner Demonstrationen und Proteste auf die Straße gegangen, um rassistische Kontrollen zu stoppen, aufgrund derer Refugees aus Lampedusa in der Perspektive abgeschoben werden sollen. Durch unterschiedliche Protest- und Aktionsformen, die sich selbstständig und unkontrolliert in Bewegung setzen, ist es gelungen, die Landesregierung vorübergehend in die Defensive zu bringen. Mittlerweile wird versucht, die Gruppe der Flüchtlinge aus Lampedusa zu spalten, indem die Kirchenführung als Hebel der Senatspolitik eingesetzt wird.

Umso wichtiger ist, dass sich alle Protestspektren deutlich und entschlossen zu Wort melden. Der dauerhafte Stopp der rassistischen Kontrollen ist keine Verhandlungsmasse in der Auseinandersetzung um das Bleiberecht der Lampedusa Flüchtlinge. Bleiberecht keine Frage des Herkunftslandes oder einer Einzelfallprüfung als Abschiebung auf Raten. Dauerhaftes, unbeschränktes Bleiberecht und Bewegungsfreiheit für alle – Dublin II abschaffen!

Während sich in Hamburg, Berlin und anderen Städten viele Menschen mit den Kämpfen der Refugees solidarisieren, kam es in der Peripherie der Städte oder ländlichen Räumen in den vergangenen Wochen immer öfter zu rassistischen Mobilisierungen von Anwohner_innen und einer Serie von Brandanschlägen auf Unterkünfte von Geflüchteten. Rassismus kommt nach wie vor aus der Mitte der Gesellschaft und staatliche Angriffe auf Flüchtlinge befördern populistische Stimmungen. Eine antifaschistische Praxis ist und bleibt daher ebenso unverzichtbar wie ein antirassistischer Bezug in stadtpolitischen Kämpfen.

Kapitalistische Stadtentwicklung

Ein anderes Beispiel wie sich Kämpfe in der Stadt überkreuzen und aufeinander beziehen können, bilden die Esso-Häuser auf St. Pauli. Über 100 Mieter_innen sollen dort vertrieben werden und ein riesiger Neubau mit Luxuswohnungen entstehen. Bestehende Clubs und Läden sollen dichtmachen und durch hochpreisiges Gewerbe ersetzt werden. Es wird versucht, die Interessen der Bewohner_innen gegen die der Anwohner_innen auszuspielen und die Politik hat jede erdenkliche städtebaupolitische Alternative fallen lassen, um dem Investor Bayrische Hausbau den Weg zu ebnen. Erste Kündigungen wurden für das Frühjahr 2014 ausgesprochen.

Sämtliche Optionen auf einen Erhalt des Gebäudes oder eine Neugestaltung im Interesse der Bewohner_innen und Anwohner_innen wurden verbaut, sämtliche Türen verschlossen. Nur ein sich radikalisierender Widerstand und breite Proteste scheinen die vermeintlich alternativlose Situation noch kippen zu können. Obwohl die Zusammensetzung des Widerstandes auf St. Pauli sehr viel heterogener ist, stehen die Rote Flora und die Esso-Häuser vor einem verblüffend ähnlichen Problem. Die Stadt privatisiert den Konflikt und gibt sich unbeteiligt. Im Ergebnis erscheinen massive Proteste und eine Eskalation als einzige Perspektive gegen eine Politik, die ihre politischen Zielsetzungen als kapitalistische Sachzwänge durchzusetzen versucht.

Für die Ausweitung der Kämpfe

Städte sind weltweit Orte von politischen Kämpfen und immer öfter beziehen sich diese aufeinander und vernetzen sich. Nicht nur die Fragestellungen und Investorenarchitekturen überschneiden sich, wenn in Istanbul, Athen, Barcelona, Frankfurt, Berlin, Amsterdam oder Kopenhagen gegen Gentrifizierung, Zwangsräumungen oder steigende Mieten demonstriert wird, sondern immer häufiger auch Protesterfahrungen und politische Zielsetzungen.

Politische Bewegungen entstehen dabei neu und bilden sich aus der sozialen Basis in den Städten. Der Kampf für den Erhalt der Roten Flora überkreuzt sich mit Kämpfen anderer besetzter Häuser und Stadtteilprojekte weltweit. Es gibt Widerstand von Mieter_innen gegen Aufwertung und Vertreibung. Protest gegen die Privatisierung des Städtischen, Selbstorganisierung und Sabotage gegen Repression und das menschenverachtende System aus Abschiebung und Abschottung der Außengrenzen.

Die Rote Flora ist nur einer von vielen Orten, an dem sich diese Auseinandersetzungen derzeit im Protest widerspiegeln. Es geht für uns weder an der Flora noch bei den Esso-Häusern noch im Centro Sociale oder anderen umkämpften Räumen um einzelne Projekte. Es geht um ein radikal anderes Verständnis von Stadt und Gesellschaft. Um grenzüberschreitende Solidarität, eine Praxis der Aneignung und die Vergesellschaftung des Bestehenden, um kapitalistische Zwänge und patriarchale Normen anzugreifen.

Right to the City – Fight Capitalism!
No Border – No Nation!

Kontakt: flora-bleibt@nadir.org
Infos: http://florableibt.blogsport.de

Unterstützt Berlinska Dróha!

Berlinska Dróha ein deutsch/sorbisches Duo (Geige/Klavier/Gesang) haben ihr zweites Album aufgenommen und möchten es nun mithilfe Crowdfunding rausbringen.
Das DIY Label Vetoria Records und die Band schaffen es nicht, dieses Release aus eigener Kraft komplett zu finanzieren und suchen eure Unterstützung.
Das neue Album heisst „Wočiń durje!“ wurde in der Nieder-Lausitz auf einem echten Flügel in einer räumlich warm klingenden Atmosphäre eingespielt und kommt daher sehr nah an die intimen kleinen unplugged Konzerte, welche die Band am liebsten spielt, heran. Es sind 12 Songs aufgenommen, sechs auf sorbisch, einer in englisch und fünf auf deutsch. Diese Songs wollen nun mit eurer Hilfe in ein tolles Artwork gepackt, überhaupt als Tonträger gepresst und dann noch ordentlich promotet werden, so dass dieses Album überhaupt in die Plattenläden kommt.

Helft uns dabei und bestellt euch das Album: www.startnext.de/berlinska-droha-2-album

Wenn wir es schaffen gibt es am 11. Januar 2014 eine Record-Release Party im Berliner Badehaus (Revaler Str./Friedrichshain)
11.01. Badehaus Berlin: Record-Release-Party von
Berlinska Dróha. Mit HINKING SINKING LADIES (Piratinnenchansongs aus Berlin am Meer), KONTAKT (Tanzbein aus der Lausitz) und ein spezielles Konzert von BERLINSKA DROHA mit diversen Gästen, danach Lucha Amada, Nellski und Luca Vaga!!!!
bade

www.berlinskadroha.com