Archiv für Mai 2014

Mehrtägige Unruhen nach Räumung von Can Vies (17 Jahre besetzt) in Barcelona

Seid Montag dauern die Ausschreitungen in Barcelona an, als Reaktion auf die Räumung des seit 17 Jahren besetzten Hauses „Can Vies“ im Stadtteil Sants. Am Montag Morgen wurde das besetzte und autonom organisierte Sozialzentrum auf Anordnung der Regierung in Barcelona durch die katalanischen Bullen geräumt. Rechtlicher Besitzer_in und somit ebenso verantwortlich für die Räumung ist die TMB (öffentliche Verkehrsmittel von Barcelona), die nicht zuletzt durch einen enormen finanziellen Aufwand (u.a. eine Horde Anwält_innen), für die Zerstörung eines weiteren kollektiven Raumes gesorgt hat.

Can Vies wurde 1997 besetzt und ist seitdem ein Ort der Selbstorganisierung, kollektiver Lebensweise sowie Treffpunkt für Menschen mit verschiedensten politischen Einstellungen und unterschiedlichster Generation. Das Haus war in der Nachbarschaft gut vernetzt und somit auch Treffpunkt verschiedenster sozialer Bewegungen. Can Vies erlangte während ihres langen Wiederstandes gegen die Räumung immer mehr Unterstützung im eigenen Stadtteil und darüber hinaus. Die Räumung bedeutet nicht nur den Verlust eines kollektiv organisierten Raumes für Veranstaltungen und Verlust des Wohnraums für einige Menschen, sondern knüpft an, an die (Räumungs)-Politik der letzten Jahre, in der immer klarer wurde, dass solche selbstorganisierten Räume, Orte des Widerstands, erwünscht sind.

Die Räumung selbst dauerte 6 Stunden, u.a. weil Bewohner_innen des Hauses im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Haus verbunden waren. Genauer gesagt haben sich die Bewohner_innen bzw. Unterstützer_innen im Boden und in den Wenden angekettet (aller Anti AKW-Pyramide), eingemauert (nahezu) und sich auf dem Dach eines Turms so angekettet und mit Zäunen abgesichert, dass dieser nicht von den Seiten erreichbar war (leider war es mittels Hebekram doch erreichbar). Unmittelbar nach der Räumung wurde mit dem Abriss des Gebäudes begonnen – was eine gängige Taktik in Barcelona ist, um erneute Besetzungen zu verhindern. Gleichzeitig zeigten Tausende ihre Solidarität und blockierten in unmittelbarer Umgebung mehrere Hauptstraßen sowie kleinere Nebenstraßen mit Transparenten und Müllcontainern und zeigten den katalanischen Bullen lautstark was sie von ihnen halten. Weiterhin drückten viele Nachbar_innen ihre Solidarität durch Lärm mittels Kochutensilien aus.

Um 20 Uhr wurde zu einer großen Solidemo aufgerufen, woraufhin ein paar Tausend laut und kraftvoll durch die Straßen zogen und ihre Wut über die Räumung auch an Banken und Handyläden ausließen. Es wurden Barris aus Müllcontainern gebaut, ein TV-Wagen wurde entglast und angezündet und Bullenautos verjagt. Die Riotcops führen daraufhin mit ihren Wagen mitten durch die Demo, um die Masse zu spalten und es begannen die ersten Jagdszenen auf Protestierende. Diese ließen sich jedoch nicht einschüchtern, sondern fanden sich immer wieder zu kleineren Protestmärschen zusammen oder errichteten u.a. brennende Barris. Es kam immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Riotcops und Demonstrant_innen. Die Bulllen setzten dabei Schockgranaten und Gummigeschosse ein. Eine weitere Repressions-Taktik war das plötzliche rausspringen aus ihren Wannen und wahlloses losprügeln in die Menge oder auf einzeln herumstehende Personen. Das ganze ging meist ohne Festnahmen von statten.

Am Ende gab es an diesem Abend nur zwei Festnahmen. Noch zu erwähnen ist, dass im Laufe des Tages die Bullen versucht haben in die Räume der linken Zeitung La Directa zu gelangen. Dies konnte jedoch verhindert werden, jedoch leider nicht ohne Verletzte und zerbrochene Scheiben.

Am ersten Tag war zu erkennen, dass sich der Widerstand nicht auf einen kleinen Kreis von Sympathisant_innen beschränkte, sondern sich generations- und bewegungsübergreifend Leute an den Protesten beteiligten. Es sollte sich zeigen, dass dies nur ein Anfang war und es sich nicht nur auf andere Viertel in Barcelona verteilen wird, sondern auch über andere Regionen in Katalonien und Spanien hinaus gehen wird.

Tag 2

Anstatt einzuschlafen verstärkte sich der Protest am zweiten Tag und griff immer mehr auf andere Stadtviertel über. So wurden in mehreren Stadteilen Banken entglast, Barris gebaut und angezündet und Straßen blockiert. Weiterhin wurde der Bagger, der bereits die Hälfte des Hauses abgerissen hatte und noch in den Ruinen stand, angezündet und brannte lichterloh vor sich hin. Bis weit in die Nacht kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen und Einsätzen aufgrund von brennenden Barrikaden in der Stadt. Die Zeitungen sprechen von sechs Festnahmen am zweiten Tag, wobei mit Sicherheit nicht alle erfasst wurden bzw. sämtliche Identitätsfeststellungen nicht dazugezählt wurden.

Neben Sants gab es alleine in Barcelona 9 weitere Orte an denen zu Protesten aufgerufen wurden. Dazu gesellten sich knapp 30 Orte/ Dörfer/ Städte in denen es zu Solidaritätsbekundungen, Versammlungen und Aktionen kam (u.a. Valencia, Gamonal, Palma de Mallorca u.v.m.).

Tag 3

Das es auch am 3. Tag bzw. in der Nacht in Barcelona zu Protesten, Solidaritätsbekundungen und Unruhen kam, zeigt, dass Can Vies mehr als nur ein Haus war. Auch beschränken sich die Aktivitäten nicht nur auf Sants oder auf Barcelona, sondern sind im ganzen Land zu sehen. In Barcelona selbst versammelten sich erneut am frühen Abend in mehreren Vierteln Menschen, um gegen die Räumung zu demonstrieren. Eine große Sammelstelle war der Plaza Sants, keine 500 Meter entfernt von der Ruine der Can Vies. Es versammelten sich rund 300 Personen, die ihren Unmut mit Sprechchören und Küchengeräte-Lärm ausdrückten. An über 6 anderen Punkten in Barcelona sammelten sich Menschen, um gemeinsam Richtung Plaza Sants zu gehen. Auf dem Weg dorthin wurden mindestens 8 Regierungsgebäude mit Farbe verschönert, 2 dreispurige Straßen durch Barris blockiert und ein Kleinbus der TMB angezündet. Als alle am Plaza Sants angekommen waren setzten sich die inzwischen 7000 Menschen als Demozug in Richtung des Bezirksrathauses in Bewegung. Diese Demo wurde von den Bullen als illegal bezeichnet, was dazu führte, dass die Bullen die Demo an mehreren Stellen angriff, um diese aufzulösen. Die Leute werhrten sich mit Böllern, Rauchbomben und bauten Barrikaden aus Müllcontainern. Die Menge löste sich auf und es kam noch zu einigen Scharmützeln bzw. brennenden Barrikaden in Sants. Die Polizei setzte neben Gummigeschossen auch Zivis auf Motorädern ohne Nummernschilder ein, die sowohl Leute verhafteten, als auch einfach nur wegprügelten. Die Nachbar_innen zeigten auch hier wieder deutlich auf welcher Seite sie stehen, indem sie den Polizeieinsatz durch viel Lärm erschwerten. Insgesamt wurden 28 Menschen festgenommen und einige zahlreiche Personen verletzt. So kam es auch wieder zu einer Augenverletzung aufgrund von Gummigeschossen, die glücklicherweise diesmal nicht, wie u.a. während des Generalstreiks 2011, zum Verlust der Sehkraft führte.

Schließlich sei noch eine Soliaktion aus Terrassa erwähnt, bei der das Büro der CDC durch einen brennenden Container beschädigt und entglast wurde. (CDC, Teil der CIU=aktuelle Regierungspartei in Katalunien)

Und wie weiter?

Die Presse spricht von über 120 brennenden Container bis jetzt (alleine 63 letzte Nacht) und betitelt den Sachschaden auf ca. 155€. Und die Proteste scheinen sich noch lange nicht dem Ende zu nähern. Sowohl für heute als auch für Morgen sind Demonstrationen und Aktionen angekündigt.

Zeigt eure Solidarität, macht Aktionen, seid kreativ.

Si ens toquen a una, ens toquen a totes!!!

Greifen sie einen an, treffen sie uns Alle!!!

Infos unter:

http://canvies.barrisants.org/

We don‘t like Samba

Im Juni kommt diese Doku über die sozialen Proteste in Brasilien.

iLLBiLLY HiTEC feat. Lengualerta & Tribuman


Von der in Kürze ercheinenden EP „Reggae Not Dead“ von iLLBiLLY HiTEC hier die erste Single „Pas d´Probleme“ feat. Lengualerta & Tribuman.

www.illbillyhitec.de

stay tuned: Lengualerta ab Juli in Europa unterwegs…

Sub Marcos »verschwindet«

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Das mediale Gesicht der Zapatisten kündigt seinen sofortigen Rückzug aus der 1. Reihe an
Der geheimnisumwitterte Subcomandante Marcos, Anführer der Zapatisten-Guerilla im Süden Mexikos, hat nach 20 Jahren seinen Rückzug von der Spitze der Organisation verkündet.
Die Überraschung war groß am vergangenen Sonntag in der Urwaldgemeinde La Realidad im südmexikanischen Bundesstaat Chiapas: Am Ende der großen Trauerfeier für José Luis Solís López, genannt »Galeano«, einen Aktivisten der zapatistischen Bewegung, der am 2. Mai von regierungsnahen Paramilitärs erschossen wurde, ergriff Subcomandante Marcos das Wort. Der bekannte Sprecher und Militärchef der Zapatistischen Befreiungsarmee EZLN kündigte nach über 20 Jahren im Amt nicht weniger als seine sofortige Ablösung und sein »Verschwinden« an.
Seit dem 1. Januar 1994, als die EZLN ihre Rebellion gegen die Einparteienherrschaft, das neoliberale Freihandelsabkommen NAFTA, die Ausbeutung, den alltäglichen Rassismus, die tief verwurzelte Benachteiligung der Frauen und die Plünderung der indigenen Ländereien begann, stürzten sich die Medien regelrecht auf den wortgewandten Sprecher.
In seinem aktuellen Abschiedsbrief erinnert Marcos, einer der wenigen Mestizen der Bewegung, an die rassistische Arroganz der politischen Klasse und der Mainstream-Medien, die nicht in der Lage seien, die indigenen Menschen als Akteure zu begreifen: »Sie waren es gewohnt, die Indigenen von oben herab zu betrachten, sie waren gewohnt, uns erniedrigt zu sehen, ihr Herz hat unsere würdevolle Rebellion nicht verstanden«. Daraufhin sei nach einer kollektiven Entscheidung der mehrheitlich indigenen Führung der EZLN die Kunstfigur Marcos geschaffen worden, um die Anliegen der Bewegung für die Dominanzgesellschaft zu übersetzen.
Eine taktisch geschickte Auseinandersetzung mit den Medien gelang Subcomandante Marcos und anderen Persönlichkeiten der EZLN immer wieder. Seine humorvollen, analytisch-poetischen Kommuniqués und Briefe sowie seine bildreichen Erzählungen wurden weltberühmt. Unvergessen ist das »Intergalaktische Treffen gegen den Neoliberalismus und für die Menschheit« von 1996, als über 3000 Aktivisten aus über 40 Ländern der Welt in La Realidad im Aufstandsgebiet der EZLN zusammenkamen, um eine »Internationale der Hoffnung«, eine horizontale Bewegung von unten gegen die Verwerfungen des globalisierten Kapitalismus aufzubauen. Das Treffen gilt bis heute als einer der Grundpfeiler der globalisierungskritischen Bewegungen.
Große Aufmerksamkeit zog 2001 auch der »Marsch von der Farbe der Erde« von Subcomandante Marcos und der EZLN-Kommandantur nach Mexiko-Stadt auf sich, der mit dem Auftritt von Comandanta Ester im mexikanischen Parlament endete, bei dem sie für eine Verfassungsänderung zugunsten der Rechte der indigenen Bevölkerungsgruppen warb. Vor dem Parlament demonstrierten damals 250 000 Menschen für die Forderungen der EZLN.
Doch die Fixierung auf Marcos war nie unproblematisch: Teile der Linken verstiegen sich in einen übertriebenen Personenkult, sahen in Marcos eine Art postmodernen Che Guevara und verloren dadurch die soziale Basis und die emanzipatorische Programmatik der Bewegung aus dem Blick; die etablierte Politik und die Rechte freilich hassten den »Sub«, da die zapatistische Bewegung nicht ins System integriert werden konnte und unabhängig blieb. Die kommerziellen Medien degradierten Marcos zum Pop-Star und gewöhnlichen Politiker, der die Indigenen verführe, und liefern bis heute ein schiefes Bild von der Bewegung der Zapatistas: Gab es keine Auftritte, Briefe oder Kommuniqués von Marcos, wurde davon ausgegangen, dass die Bewegung geschwächt sei oder nicht mehr existiere und dass Marcos längst den Regenwald verlassen habe. Marcos selbst stellte mehrfach klar, dass seine Rolle zu groß geworden war und zog sich in den vergangenen Jahren zunehmend zurück.
Im Dezember 2013 wurden die bisherigen Aufgaben von Subcomandante Marcos an Subcomandante Moisés weitergereicht. Der Tzeltal-Indigene, der seit den 1980er Jahren in der EZLN aktiv ist, sieht die politisch-militärische Organisation in der Pflicht der zapatistischen Basis und betonte am vergangenen Samstag, dass die EZLN ihren Gemeinden gehorche und sich nur einbringe, wenn sie dazu aufgefordert werde.
In seinem Abschiedsbrief erläuterte Marcos, dass es heute eine neue Generation von Zapatistas gebe, die sehr wohl in der Lage sei, die Geschicke der Bewegung souverän in die Hand zu nehmen: »Es ist unsere Überzeugung und unsere Praxis, dass man für Rebellion und Kampf keine charismatischen Anführer oder Chefs braucht, keinen Messias und keinen Erlöser. Um zu kämpfen, braucht man nur ein wenig Anstand, etwas Würde und viel Organisation. Alles Weitere nutzt dem Kollektiv oder eben nicht«.
Unterdessen geht die anti-zapatistische Gewalt weiter. Im laufenden Jahr gab es mehrere Angriffe auf zapatistische Gemeinden, die am 2. Mai in einem Angriff auf das symbolträchtige zapatistische Zentrum La Realidad gipfelten. Bei der Aggression wurde der Zapatist Galeano exekutiert und mehrere Personen schwer verletzt. Die EZLN bezeichnete die Angreifer als »Paramilitärs« und unterstrich, dass es bei dem Angriff nicht um einen lokalen Konflikt unter Indigenen gehe, wie es die Regierung und die kommerziellen Medien darstellen, sondern dass es sich um eine gezielte Attacke gegen die Zapatistas zur Aufstandsbekämpfung handelt. Die jüngste Aggression stellt eine der massivsten Provokationen der zapatistischen Bewegung der letzten Jahre dar, die ohne Zweifel im Kontext der erfolgreichen Mobilisierungen steht, die die EZLN im vergangenen Dreivierteljahr realisiert hat. Hier ist vor allem die »Kleine zapatistische Schule« zu nennen, zu der insgesamt über 4000 solidarische Menschen aus aller Welt über 100 zapatistische Gemeinden besucht haben, um dort aus erster Hand von der Basis die Selbstverwaltungsprozesse kennenzulernen.
Luz Kerkeling
Quelle: http://www.neues-deutschland.de/artikel/934237.sub-marcos-verschwindet.html
Sozialistische Tageszeitung – neues deutschland 27.05.2014

Party in Berlin: Global crisis – global solidarity

24.05. ab 21Uhr
Jockels Biergarten (Ratiborstr. 14c)

UPDATE-Überraschung: Es wird ein kleines special intro set von Refpolk geben!

Live: The Neôfariuş V. Occasionally Flying K.-Orcheštra #249 (klezmer,
polka, balkan…)
djs:
Lucha Amada (radical mestizo, latin-ska, reggae, hip hop,
cumbiamuffin…)
&
aural guerilla (leipzig – afrotronics, latinbits, global psycedelica)
Offene Abschlussparty der Global Solidarity Conference
(www.labourstart.org/2014)

The Neôfariuş V. Occasionally Flying K.-Orcheštra #249
neofariuslogo
Gegründet wurde die Band von Neôfarius V. in den 80er Jahren des 19. Jhdt. in einem kleinen Fischerdorf irgendwo südöstlich von Odessa. Die Musik bestand aus einer Mischung aus Klezmer, Polka und Balkan / Gypsy und wurde zu allen Festen gespielt, die das Dorf zu bieten hatte. Die heutige Besetzung (die in Berlin lebt) ist stolz, die inzwischen über 120-jährige Tradition der Band aufrecht zu erhalten. Diese Tradition bedeutete aber auch immer, offen für neue musikalische Einflüsse zu sein. So werden heute auch Elemente von Ska, RockaBilly, Zirkusmusik und andere Dinge mehr in die Musik gemischt aber ohne die Wurzeln der alten Dorfband jemals zu verleugnen.
neofariusband
Ganz besonders freuen wir uns auch auf unseren Gast-DJ aus Leipzig: aural guerilla. aural guerilla kennt keine Grenzen. Wer ein bischen was über ihn erfahren möchte, checke bitte seinen blog radioglobalistic.wordpress.com.
Hier sonst noch ein kleiner mix von ihm zum Austesten (dieser Mix repräsentiert weder all seine musikalischen Vorlieben noch unbedingt die Richtung, die er uns Samstag servieren wird…): soundcloud.com/no-exotik-no-turistik/aural-guerillas-diren-short

labour