Internationale Solidaritätskampagne für die Kolleg_innen der selbstverwalteten Fliesenfabrik Zanon in Neuquén / Argentinien

Nach 15 Jahren erfolgreicher selbstverwalteter Produktion brauchen die Kolleg_innen von Zanon nun erneut Solidarität. Da ihnen die für die technologische Erneuerung dringend benötigten Kredite verweigert werden, können sie mit der veralteten Maschinerie nicht mehr rentabel produzieren. Es reicht nicht mehr für den Lebensunterhalt der Kolleg_innen. Die bekannteste übernommene Fabrik in Argentinien, die aufgrund ihrer kämpferischen Haltung international bekannt und zum Vorbild wurde, steckt in der Krise. Die Kolleg_innen kämpfen weiter um die Kredite und für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. In dieser Phase brauchen sie Solidarität – auch finanzielle. Siehe die Kampagnenwebsite, Spendeninfos sowie die Übersetzung des Aufrufs und der Geschichte von Zanon.

Sie haben für die Kampagne eine neue Webseite eingerichtet mit dem Aufruf, einer Darstellung der Geschichte der Fabrik sowie Bildern und Videos: http://endefensadezanon.com
Hier kann und sollte über PayPal auch international gespendet werden: http://endefensadezanon.com/donaciones/

Im Folgenden die Übersetzung des Aufrufs und der Geschichte von Zanon.

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Eine Kampagne für Zanon

Wir Arbeiter und Arbeiterinnen der Fliesenfabrik Cerámica Zanon, heute Kooperative FaSinPat (Fábrica Sin Patrones – Fabrik ohne Chefs) in der argentinischen Provinz Neuquén blicken auf 15 Jahre Arbeiterselbstverwaltung zurück, und wir kämpfen weiter um unsere Arbeitsplätze. Im Rahmen der Krise in Argentinien haben wir Ceramistas (Arbeiter_innen der Keramikfabriken) 2001 den Kampf um die Arbeitsplätze aufgenommen, um die Geschäftsleitung zu stoppen, die das gesamte Personal entlassen und sich aus dem Staub machen wollte, unter Zurücklassung einer Schar von Arbeitslosen und einer leeren Fabrikhalle im Industriegebiet von Neuquén. Angeführt wurde der Kampf von unserer Gewerkschaft Sindicato Ceramista, die wir vorher für die Arbeiter_innen aus den Händen der Gewerkschaftsbürokratie zurückerobern konnten. Sie war ein entscheidendes Werkzeug in diesem Kampf, in dem uns die Demokratie der Versammlungen in Bezug auf Einheit und Organisierung zweifellos viele Schritte weitergebracht hat. Wir haben sehr schwierige Zeiten erlebt, in Zelten vor dem Fabriktor, ohne Lohn, in denen wir uns nur Dank der Streikkasse, zu der die Leute aus der Umgebung und verschiedene Organisationen beitrugen, über Wasser halten konnten.

Der Rest der Geschichte ist bekannt: Wir haben das Schicksal der Fabrik und der Familien, die dabei geblieben sind und Widerstand geleistet haben, selbst in die Hand genommen, wir haben die Produktion aufgenommen und die Arbeiterselbstverwaltung von Zanon ins Leben gerufen. Von da an haben wir Tag für Tag und Jahr für Jahr für die Enteignung der Fabrik gekämpft, die 2009 vom Parlament in Neuquén beschlossen wurde. Aber die Mehrheit der Abgeordneten wollte die technologische Erneuerung, die schon damals notwendig war, nicht in das Enteignungsdekret mit aufnehmen. Wir ließen uns dadurch nicht aufhalten und produzierten weiter. Gleichzeitig forderten wir von den verschiedenen Regierungen einen Kredit, um die Maschinerie zu erneuern. Wir haben Anträge gestellt, sind auf die Straße gegangen und haben dutzende Formalitäten erfüllt. Techniker, Ingenieure, Buchhalter und Wirtschaftswissenschaftler arbeiteten einen Vorschlag zur technologischen Erneuerung in Höhe von 140 Millionen Pesos aus (etwa 8,2 Millionen Euro). Beim Wirtschaftsministerium läuft ein Antrag auf einen Kredit von knapp 50 Millionen Pesos im Rahmen des Programmes FONDEAR (Fondo para el Desarrollo Económico Argentino – Argentinischer Fond für wirtschaftliche Entwicklung). Wir versuchen weiterhin zu erreichen, dass dieser für den Fortbestand der Fabrik entscheidende Kredit ausgezahlt wird.

Zurzeit ist die Situation jedoch kritisch, da wir mit den mehr als 30 Jahre alten Maschinen unmöglich die Produktion aufrecht erhalten können. Es reicht nicht mehr für unsere 14-tägigen Auszahlungen. Die Arbeitsplätze und der Lebensunterhalt von fast 300 Familien sind ernsthaft gefährdet. Aber wie vor 15 Jahren werden wir auch jetzt nicht zulassen, dass die Fabrik geschlossen wird.

Während wir um die technologische Erneuerung kämpfen, müssen wir den Lebensunterhalt für unsere Familien sicherstellen. Deshalb gründen wir diesen Solidarfonds, um Spenden zu sammeln, die es uns ermöglichen, wenigstens einen Teil des Lohns zu bekommen und weiter zu produzieren. Wir appellieren wieder einmal an die Bevölkerung, an Gewerkschaften, soziale, studentische und Menschenrechtsorganisationen usw., uns mit einem solidarischen Beitrag zu unterstützen – damit nie wieder Familien nach Entlassungen auf der Straße stehen.

Kommission für den solidarischen Kampffonds, Arbeiter und Arbeiterinnen von Zanon

Die Geschichte von Zanon

Der Betrieb Cerámica Zanon, heute Kooperative FaSinPat (Fábrica Sin Patrones – Fabrik ohne Chefs) wurde 1979 von dem italienischen Unternehmer Luigi Zanon eröffnet. Die Fabrik wurde auf öffentlichem Gelände errichtet, und einer der Kredite kam von der Provinz Neuquén. Der Unternehmer hat ihn nie zurückgezahlt. Bei der Eröffnungsfeier lobte Luigi Zanon die Militärregierung, dass sie „Argentinien zu einem sicheren Land für Investitionen“ machte. Unter der Präsidentschaft von Carlos Menem und dem damaligen Gouverneur von Neuquén, Jorge Sobisch, liefen die Subventionen weiter. Gemeinsam mit diesen Politikern weihte der Unternehmer mit einem Festakt auf dem Fabrikgelände in den 90er Jahren die Produktionslinie für Porcellanato (Feinsteinzeugfliesen) ein, damals die modernste in ganz Lateinamerika.
Krise 2001

Während der 90er Jahre konnte sich das Unternehmen auf die Komplizenschaft von Gewerkschaft und Arbeitsministerium stützen und ohne größere Hindernisse schalten und walten. Aber im Jahr 2000 haben wir Arbeiter_innen die Gewerkschaft für uns zurückerobert. Wir haben sie wieder zu einer kämpferischen Organisation gemacht und konnten so die Entlassungen, die Zanon vorhatte, verhindern. Als Antwort beantragte die Geschäftsleitung beim Arbeitsministerium ein Verfahren zur Prävention von Unternehmenskrisen, ein Rechtsmittel, mit dem mehr Beschäftigte als gesetzlich vorgesehen entlassen und Kollektivverträge geändert werden können. In dieser Zeit starb im Juli 2000 unser Kollege Daniel Ferrás im Umkleideraum der Fabrik, in der es weder eine Notfallrettung noch Sauerstoffgeräte gab. Ab diesem Punkt begannen die Arbeiter_innen, massiv Forderungen zu stellen. Das Arbeitsministerium lehnte schließlich den Antrag auf Krisenprävention ab.

2001 begann die Geschäftsführung mit dem Hinweis auf Zahlungsprobleme, die Löhne verspätet und in Raten auszuzahlen. In der Wirtschaftskrise stellte das Unternehmen die Zahlungen an Zulieferer und Versorgungsbetriebe ein. Angesichts der drohenden Schließung der Fabrik beschlossen wir Arbeiter_innen am 3. Oktober, den Betrieb zu besetzen und die Geschäftsleitung nicht mehr hineinzulassen, als Versuch, unsere Arbeitsplätze zu erhalten. Die Justiz hat vier Mal die Räumung angeordnet, um den Konkursverwaltern eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Güter zu ermöglichen, aber wir Arbeiter_innen konnten das mit unserem Widerstand verhindern.

Im November 2001 verkündete Zanon offiziell die Schließung der Fabrik und die Entlassung der 380 Beschäftigten. Kurz darauf urteilte die Arbeitsrichterin von Neuquén Elizabeth Rivero de Taiana, es handele sich um eine Aussperrung, und gab damit einer Klage von uns Arbeiter_innen gegen die Geschäftsführung von Zanon recht. Außerdem verfügte sie die Beschlagnahmung von 40 Prozent der Lagerbestände, um mit dem Erlös die Löhne zu bezahlen.
Ab 2002: Arbeiterkontrolle

Nach der Währungsabwertung wurde die Fabrik im Januar 2002 wieder zu einem rentablen Geschäft, und Luigi Zanon versuchte, die Fabrik als sein Eigentum einzufordern. Sein Vorschlag zur Wiederinbetriebnahme sah die Nutzung von 10 Prozent der Produktionskapazitäten und die Beschäftigung von 62 Arbeitern vor, was die Arbeiter_innen ablehnten. Sie hatten bereits begonnen, die Wiederinbetriebnahme vorzubereiten, die dann im März 2002 stattfand.

Am 8. April 2003 versuchte die Regierung zu letzten Mal, die Fabrik zu räumen, aber wir konnten das mit der Unterstützung aus der Bevölkerung, mit Gewerkschaften, sozialen, studentischen und Menschenrechtsorganisationen verhindern.

Seitdem sind aus den etwas mehr als 100 Arbeiter_innen, die mit der Arbeiterselbstverwaltung begonnen hatten, mehr als 460 geworden. Viele der neu geschaffenen Arbeitsplätze wurden an die Organisationen der Arbeitslosen vergeben, die unseren Kampf unterstützt hatten. Der Verfall der Maschinerie, die wir wegen der Weigerung der Regierung, uns Kredite zu geben, nicht erneuern konnten, hat zu einem Produktivitätsverlust der Fabrik geführt, bis hin zur heutigen Situation, in der der Kauf neuer Produktionslinien zwingend erforderlich geworden ist.

Nach 15 Jahren Selbstverwaltung geht der Kampf der Arbeiter und Arbeiterinnen von Zanon weiter.
Chronologie des Kampfes um Zanon

1979 Militärdiktatur. Im Industriegebiet Parque Industrial in der Provinz Neuquén, im argentinischen Patagonien, wird im Zuge der Politik der Industrieförderung der Militärregierung der Betrieb Cerámica Zanon S.A. eröffnet.

1983 Gründung der Gewerkschaft SOECN der Keramikarbeiter_innen (Sindicato de Obreros y Empleados Ceramistas de Neuquén).

1993 Präsident Menem nimmt an der Eröffnungsfeier der Porcellanato-Abteilung teil, durch die Zanon zur größten und modernsten Fabrik für Porcellanato (Feinsteinzeugfliesen) wird.

1996 im Oktober findet der erste Vollstreik gegen die Entlassung des Arbeiters Silvio Centurión statt, der wieder eingestellt wird.

1998 Die Gewerkschaftsliste Lista Marrón gewinnt die Betriebsratswahlen bei Zanon gegen die Gewerkschaftsbürokratie der Brüder Montes.

2000 Der Betrieb beantragt ein Verfahren zur Prävention von Unternehmenskrisen (Recurso Preventivo de Crisis). Im Juni stirbt Daniel Ferrás wegen der von der Geschäftsleitung vernachlässigten Arbeitssicherheit. Mit dem folgenden „9-Tage-Streik“ wird durchgesetzt, dass rund um die Uhr ein Rettungswagen in der Fabrik steht und die Bedingungen der Arbeitssicherheit von einer Arbeiterkommission kontrolliert werden. Im Oktober rufen die Brüder Montes von der bürokratischen Gewerkschaftsfraktion zu einer Versammlung im 100 Kilometer entfernten Cutral Có auf, innerhalb der Arbeitszeit, um dort den Wahlvorstand für die Gewerkschaftswahl zu bilden. Mit diesem Trick wollten sie die Anwesenheit der Arbeiter_innen von Zanon verhindern. Aber diese bleiben in Scharen der Arbeit fern, reisen nach Cutral Có und wählen gegen diesen Betrugsversuch den Wahlvorstand. Hier beginnt die Wiedereroberung der Gewerkschaft. Im Dezember gewinnt die Basisliste Lista Marrón in allen vier Fabriken massenhaft Stimmen. So wird die SOECN, die Sektion 21 der argentinischen Keramikgewerkschaft FOCRA zurückerobert.

2001 Im April und Mai wird das Personal wegen „fehlender Rohstoffe“ suspendiert. 34 Tage Streik und Blockade des Fabriktors. Besetzung der Bank Banco Provincia. Demonstrationen werden organisiert und eine Blockade der Brücke, die Neuquén mit Cipolletti verbindet. Die Geschäftsleitung gibt nach und zahlt alle ausstehenden Löhne. Ein neuer Betriebsrat (Comisión Interna) wird gewählt.

Am 4. August berufen die Ceramistas ein Treffen für eine Arbeiterkoordination ein. In der Universität UNCo (Universidad Nacional del Comahue) treffen sie sich mit der Arbeitslosenbewegung MTD (Movimiento de Trabajadores Desocupados) aus Neuquén, mit Delegationen von Lehrer_innen aus Neuquén und Río Negro und mit Delegierten aus vielen anderen Landesteilen.

Am 7. September werden massenhafte Suspendierungen angekündigt. Einige Tage später beginnt die Aussperrung („lockout patronal“), die Schließung der Fabrik. Die Arbeiter_innen treten in den Streik, machen die Suspendierungen rückgängig und setzen durch, dass die Ausfalltage bezahlt werden. Im Oktober verurteilt das Gericht das Unternehmen wegen der Aussperrung („lockout ofensivo“). Am Fabriktor wird eine „Arbeiterwache“ installiert und 40 Prozent der Lagerbestände werden beschlagnahmt, um die ausstehenden Löhne zu begleichen. Das Unternehmen entlässt die 380 Arbeiter_innen, diese verbrennen die Entlassungstelegramme und ziehen als Demonstration zum Regierungssitz. Die Provinzregierung antwortet mit Repression, sechs Arbeiter werden verhaftet. Der Gewerkschaftsdachverband CTA ruft für den 3. Dezember zu einem landesweiten Streik auf, und auch von Zanon aus wird gegen die Sparmaßnahmen des damaligen Präsidenten De la Rúa demonstriert. Die Provinzregierung von Sobisch greift erneut zur Repression.

2002 entsteht die Koordination „Coordinadora del Alto Valle“, zu der sich die Gewerkschaft SOECN, die Arbeiter_innen von Zanon, die Arbeitslosenorganisation MTD und andere Organisationen von Piqueteros, Lehrer_innen der Gewerkschaft ATEN aus Centenario, die Gewerkschaft des Fernsehens, Universitätsangestellte und antibürokratische Gruppierungen von Lehrer_innen sowie aus dem Öffentlichen Dienst, dem Gesundheitsbereich und dem Bau zusammenschließen. Hinzu kommen studentische Organisationen und linke Parteien.

Im März werden vier Öfen angefahren. Die Fabrik wird wieder in Betrieb genommen. Einen Monat später laufen die ersten 20000 Quadratmeter Fliesen vom Band.

Am 13. April findet das erste Treffen der besetzten Fabriken vor der ebenfalls von den Arbeiterinnen besetzten Textilfabrik Brukman in der Hauptstadt Buenos Aires statt. Zehn neue Arbeitsplätze werden geschaffen. An einem Regionaltreffen der Coordinadora del Alto Valle in der Fabrik nehmen mehr als 1000 Personen teil, mit Delegationen von landesweiten Organisationen. Das zweite Treffen der besetzten Fabriken findet am 7. September statt.

2003 30 neue Arbeitsplätze werden geschaffen. Pro Monat werden mehr als 120000 Quadratmeter Fliesen produziert.

Am 8. April gibt es einen weiteren Räumungsversuch (den mittlerweile fünften). Die Bevölkerung antwortet mit einer massenhaften Mobilisierung und einem Streik der CTA in der ganzen Provinz.

Im Parlament von Neuquén wird der Antrag, die Fabrik zu enteignen und der Kontrolle und Selbstverwaltung der Arbeiter_innen zu übergeben, mit 50000 Unterschriften eingereicht.

Im November kommt es beim Stadion „Ruca Che“ zu einer Polizeirepression. Der Zanonarbeiter Pedro „Pepe“ Alveal wird von 64 Gummigeschossen getroffen. Durch eines verliert er sein linkes Auge. Pepe hat als einer der Jugendlichen der Arbeitslosenorganisation MTD bei Zanon angefangen.

2004 Im Februar wird die Kooperative FASINPAT gegründet (Fabrik ohne Chefs). Die Zanonarbeiter_innen bauen ein solidarisches Gesundheitszentrum im angrenzenden prekären Stadtteil Nueva España. Im November errichten sie mit Unterstützung zahlreicher bekannter Persönlichkeiten ein Protestzelt vor dem Nationalkongress in der Hauptstadt. Sie machen ihren Antrag auf die Enteignung der Fabrik bekannt. Das Jahr beschließen sie mit einem großen Festival, bei dem bekannte Musiker wie León Gieco, Raly Barrionuevo und Ciro Pertusi von der Band Attaque 77 auftreten.

2005 Führende Gewerkschafter aus der Fabrik und ihre Familien erhalten Todesdrohungen. Landesweiter Streik der CTA und Demonstrationen der Ceramistas. Die Frau eines Zanonarbeiters wird überfallen. Der Friedensnobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel kommt aus Solidarität in die Region.

Nach einer ausführlichen Diskussion nimmt die Versammlung der SOECN im Juli die neue Satzung der Gewerkschaft an. Im August wird der Konkurs von Zanon erklärt. Die Kooperative erhält für ein Jahr die Genehmigung, die Fabrik zu verwalten.

2006 Der Verfassungskonvent von Neuquén empfängt die Arbeiter_innen und verspricht, die Enteignung in der nächsten Legislaturperiode zu behandeln, was aber nicht geschieht. Im Mai wird dem Parlament der Enteignungsantrag mit 20000 Unterschriften und einer großen Demonstration erneut vorgelegt. Die Ceramistas bauen für eine Familie in Rincón del Valle, deren Eltern bei einem Unfall gestorben sind, ein Haus.

Die Rockgruppe Rata Blanca tritt in der Fabrik vor 15000 Jugendlichen auf. Im Oktober wird die Genehmigung für FASINPAT, die Fabrik zu verwalten, verlängert. Attaque 77 spielt in der Fabrik, die zu einem Solidaritätsort der Jugend geworden ist. Das Motto lautet „Konzert ohne Polizei in der Fabrik ohne Chefs“.

2007 Nachdem der Lehrer Carlos Fuentealba von der Polizei in Neuquén erschossen wurde, beteiligt sich eine Delegation der Ceramistas an den Aktionen und den folgenden Protesttagen der Lehrer_innen. Auf einer großen Kundgebung vor dem Sitz der Provinzregierung wird der Rücktritt von Gouverneur Sobisch gefordert.

Die Produktion liegt inzwischen bei 400 000 Quadratmetern pro Monat, mit 470 Arbeitsplätzen. Im September wird zum ersten Mal ein Posten Fliesen exportiert.

2008 Die Demonstrationen für die Enteignung werden fortgesetzt. Beim 13. landesweiten Frauentreffen, das diesmal in Neuquén stattfindet, wird mit einer Großkundgebung in der Fabrik die Unterstützung für die Arbeiter_innen bekräftigt. Im Oktober läuft die Frist ab, bis zu der die Kooperative die Fabrik verwalten darf. Die Rockgruppe La Renga spielt vor 15000 Personen.

2009 Die Arbeiter der ehemaligen Fabrik Cerámica del Sur nehmen mit Unterstützung der Gewerkschaft SOECN die Produktion wieder auf, unter Arbeiterselbstverwaltung. Es ist die einzige Fabrik für Lochziegel in der Stadt Neuquén.

Im März legt die Provinzregierung dem Parlament die Enteignungsverfügung vor, die am 12. August schließlich in der Abstimmung durchkommt.

Zurück an die Maschine: Laut der in der Satzung vorgesehenen Rotation geben die bisherigen Gewerkschaftsführer ihre Funktionen ab und gehen zurück in die Produktion. Rockfestival „Resiste Zanon“ (Zanon leistet Widerstand) mit Attaque 77, Carajo, Las Manos de Fillippi und weiteren lokalen Musiker_innen.

2010 Die Schule CPEM 88 „Boquita Esparza“ (benannt nach einem verstorbenen Zanonarbeiter) nimmt in der Fabrik den Unterricht auf, ein Abendgymnasium für Zanonarbeiter_innen, ihre Familien und Leute aus der Gegend.

In Cutral Có wird nach einem Schließungsversuch durch die Geschäftsleitung die Fabrik Cerámica Stefani besetzt. In einer Solidaritätskampagne werden Viertel für Viertel und Haus für Haus abgeklappert. Am 4. Juli unterstützen bei einer Volksabstimmung 5000 Personen die Arbeiter_innen, die die Fabrik unter Arbeiterkontrolle wieder ans Laufen bringen. Die Band SKA-P aus Madrid tritt bei Zanon auf: „Damit alle kapieren, dass Arbeiterselbstverwaltung keine Utopie ist, und dass sie eine ernsthafte Bedrohung des kapitalistischen Systems darstellt.“

2011 Mehr als 10000 Personen kommen zum Konzert von Manu Chao im Hof der Fabrik, um die seit 10 Jahren bestehende Arbeiterselbstverwaltung bei Zanon zu feiern und weitere Unterstützung der selbstverwalteten Betriebe zu fordern.

2014 Im Februar bauen die Arbeiter der neben Zanon gelegenen Fabrik Cerámica Neuquén ein Protestcamp am Fabriktor auf, nachdem die Geschäftsführung sich geweigert hatte, Urlaubsgeld und Prämien zu bezahlen. Nachdem sie monatelang keine Antwort bekommen haben, besetzen sie am 8. Juli die Fabrik mit einer Kundgebung am Tor und nehmen die Produktion unter Arbeiterkontrolle auf, die bis heute andauert. Wir Ceramistas fordern weiterhin eine Antwort für die drei Fabriken, die mittlerweile in der Provinz Neuquén unter Arbeiterselbstverwaltung Fliesen und Ziegel produzieren.

2016 Die Arbeiterselbstverwaltung bei Zanon besteht nunmehr seit 15 Jahren. Im Oktober trat die Rockband Todos Tus Muertos zusammen mit weiteren lokalen Bands in der Fabrik auf, um das Jubiläum zu feiern und einen Kredit für die Erneuerung der Technologie zu fordern.
zanonttm


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