Archiv für Oktober 2017

Jose Capel von Color Humano ist gestorben.

Wir trauern um Jose Capel, Sänger von Color Humano. Er verstarb nach längerer Krankheit am 19.Oktober.
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Color Humano waren eine der ersten Bands, die wir aus dem „Mestizo“-Bereich entdeckten, noch bevor dieser Name versuchte, diese Bands, die politische Texte mit unglaublich vielen verschiedenen Rhythmen gleichzeitig fusionierten, in Schubladen zu pressen. Früh also eine unserer Lieblingsbands begleiteten sie uns bis heute, obwohl sie lange auf Eis lagen.

Color Humano löste sich 2003 schon auf – nachdem sie sich 1994 in Paris in dem besetzten Haus La Moskowa erst gründeten (später zogen sie gemeinsam nach Barcelona) – fanden dann aber 2008 nochmal für ein paar Jahre und eine CD, „Madiba“, zusammen. In der Zwischenzeit waren Mitglieder von Color Humano z.B. aktiv bei Black Baudelaire oder Nour, während Jose Capel bei dem Projekt 08001 mitwirkte und auch solo unter dem Namen El Kapel eine eindrucksvolle CD veröffentlichte. In den 90ern veröffentlichten Color Humano mit „Moskowa Libre“ (95), „Hambre de vida“ (97) und „Burundanga“ (99) drei CDs. 2001 tourten sie durch Chiapas/Mexico, um Musik und Worte auszutauschen, die Zapatistas als Inspiration und Weggefährt_innen begreifend. Revolutionäre Veränderung war immer ein Motiv bei Color Humano, ihre Texte waren politisch und poetisch sogleich. Sie handelten von Kämpfen um Wohnraum („Okupa“), Würde („Dignidad“), H.I.V. („H.I.V.?“), Rassismus und sangen auf castellano, französich und englisch gegen Ignoranz, Repression und für die Freiheit („como la libertad no hay nada, nada como la libertad nada“, „Libertad“).
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Ihre Sprache war dabei immer sehr blumig, farbenträchtig, poetisch und hoffnungsvoll. Obwohl Color Humano sehr einflussreich für (spätere) Musiker_innen war, und sie mit den Grundstein für das Wachsen (und den Erfolg) einer „Mestizo“-Szene legten, erhielten sie leider nie die Würdigung, die sie verdient hätten.
Siempre contigo, siempre en nuestro corazon.

„El agua no tiene fronteras, no tiene patria ni banderas
Es como el aire y como el sol, no tiene dueño“
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„Una sonrisa por delante“ ist auch auf unserem ersten Lucha Amada-Sampler „Lucha Amada – Musika Rebelde“ vertreten:

Jose El Kapel (solo):

Lucha Amada in Berlin

next dates…
even more to come soon…
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Die neue ila ist da

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Liebe Kolleg*innen, Freund*innen und Lateinamerika-Interessierte,

für die kühler werdenden Tage präsentieren wir neuen Lesestoff über ein hitzig debattiertes Thema: Die neue ila, Nr. 409 Oktober (2017) mit dem Schwerpunkt „Migration“!
Außerdem in der Nummer: El Salvador – Wegen Abtreibung verurteilt: Besuch bei Frauen im Gefängnis Ilopango; Argentinien – Das Verschwinden des Santiago Maldonado; „Damit niemand redet“ – Straflosigkeit in Uruguay u.v.m.

Auf Grund der Aktualität des Themas, diesmal ein längerer Ausschnitt aus dem Editorial der ila Nr. 409:

„Trotz seiner vollmundigen Rhetorik schlägt Donald Trump keineswegs ein neues Kapitel in der US-amerikanischen Einwanderungspolitik auf.
[…]
Und dennoch ist etwas neu in der Ära Trump. Wie viele Migrant*innen in die USA kommen, wie die Zuwanderung begrenzt werden kann und wie viele Eingewanderte am Ende deportiert werden, ist für Trump letztlich zweitrangig. Anders als seine Vorgänger interessiert ihn an der Frage der Migration vor allem das innenpolitische Mobilisierungspotential. Da trifft er sich mit seinen rechten Kamerad*innen in der AfD, der französischen FN, der Schweizer SVP, der österreichischen FPÖ (und neuerdings auch ÖVP), der ungarischen Fidesz, der britischen UKIP und wie die entsprechenden Gruppierungen sonst noch heißen.

Ein Kennzeichen der neoliberalen Politik der vergangenen Jahrzehnte war der Abbau der Sozialsysteme. Das erzeugt Verunsicherung und Ängste. Was wird aus der Familie, wenn ein*e Verdiener*in arbeitslos oder erwerbsunfähig wird? Können wir im Alter mit unseren Renten unseren Lebensstandard sichern? Werde ich in der immer spürbarer werdenden Zwei-Klassen-Medizin angemessen versorgt werden, wenn ich krank werde? Auf diese Fragen und Ängste geben die konservativen, liberalen und auch sozialdemokratischen Politiker*innen keine Antworten oder empfehlen zynisch mehr „private Vorsorge“, die für die meisten Gering- oder Normalverdiener*innen kaum finanzierbar, aber für Banken und Versicherungskonzerne ein lukratives Geschäft ist. Dann treten die Trumps & Co. auf den Plan und suggerieren, dass sie die „Sorgen der Bürger*innen“ ernst nehmen. Sie benennen auch gleich den Grund des Übels: die Migrant*innen und damit die „Zuwanderung in die Sozialsysteme“. Deshalb müssten ständig Leistungen eingeschränkt werden. Damit treffen sie soziale Ängste, appellieren an den latent vorhandenen Rassismus und rufen zudem verfestigte Stereotype wie das des kriminellen Ausländers ab.

Rassismus und Hass auf Flüchtlinge werden so zur Klammer, die reaktionäre Bürger*innen, wütende Kleinbürger*innen und ängstliche Arbeiter*innen vereint und sie für Politiker*innen und Parteien mobilisiert, die mit sozialer Gerechtigkeit und aktiver Sozialpolitik nichts im Sinn haben. Sowohl Trump als auch die AfD oder die FPÖ stehen für eine radikalliberale Wirtschaftspolitik, die mehr soziale Ungleichheit produzieren wird. Sie sehen es als „Recht“ von Unternehmen aus ihren Ländern an, überall auf der Welt ohne Einschränkungen zu agieren, Geschäfte zu machen, Land zu erwerben, Waffen zu verkaufen und Rohstoffe ausbeuten zu können. Wenn das zu Umweltschäden, Zerstörung wirtschaftlicher Strukturen und Lebensgrundlagen oder Vertreibungen führt, ist das halt so. Wenn aber die Menschen in der Folge weggehen und anderswo Sicherheit und bessere Lebensbedingungen suchen, dann sollen sie gestoppt werden. Diesen Zynismus gilt es aufzudecken! Flüchtlinge haben alles Recht, bessere Plätze zum Leben zu suchen. Ihre Selbstorganisation und ihre Kämpfe für sichere Perspektiven gilt es zu unterstützen. Gestoppt werden müssen jene, die Tag für Tag Fluchtursachen produzieren, ebenso wie jene, die den Hass auf Migrant*innen mobilisieren, um daraus politisches Kapital zu schlagen.“

Der Schwerpunkt „Migration“ der ila 409 hat einen Umfang von 36 Seiten (das gesamte Heft 56 Seiten) und kann zum Preis von 6,00 Euro bei der ila (Heerstraße 205, 53111 Bonn, Tel 0228-658613, E-Mail vertrieb@ila-bonn.de, Internet: www.ila-web.de bestellt werden.

Sidi Wacho auf Tour!

- 20/10 : PFERDESTALL – BREMERHAVEN -
- 21/10 : CLASH – BERLIN -
- 27/10 : HORS & EBEN – LEIPZIG –
- 28/10 : TREIBSAND – LÜBECK -

Die Idee für das in Lille/Frankreich und Santiago de Chile ansässige Projekt entstand 2015 in Santiago, als Saidou, MC der französischen Band „Ministère des Affaires Populaires“ während einer Reise durch Lateinamerika auf den Cumbiero Juanito Ayala sowie weitere chilenische Musiker traf und als bald entstand Sidi Wacho.

Sidi Wacho
ist nicht Cumbia, kein Rap, keine Balkanmusik, aber es trägt alles in sich … engagierte und pikante Texte sind geprägt von sozialen Themen erinnern an die Zapatistas & „La Lucha Sigue“.

Anfang 2016 veröffentlichten die Musiker ihr erstes Album „Libre“ und seitdem touren sie mit ihrer hochenergetisch-tanzbaren Musik durch Europa, Kanada, Chile, Cabo Verde…

Das neue Album ist für 2018 geplant. Vorher kommt die Band aber nochmal im Oktober nach Deutschland, um positive Energie und jede Menge „Buena Onda“ zu verbreiten.